Falk Wisinger gründete 2003 sein Unternehmen City Investments und absolvierte seinen MBA von 2002 bis 2003 an der ESCP Europe in Paris.

Falk Wisinger, Absolvent der ESCP Europe in Paris

Falk Wisinger studierte Diplom-Bauingenieurwesen und sammelte zuletzt Berufserfahrung bei der privaten französischen Real Estate Private Equity Investment Gruppe Sodipierre und zuvor beim internationalen Bau- und Multiservice Konzern Bilfinger & Berger in Taiwan. Sein MBA-Studium an der ESCP Europe Business School in Paris schloss er 2003 ab und gründete im selben Jahr sein eigenes Unternehmen City Investments mit Fokus auf Investment und Advisory im Private Equity-Immobilienbereich.

Wie kamen Sie darauf, ein MBA-Studium an der ESCP Europe zu absolvieren?

Der Grund ist denkbar einfach: Ein Ingenieursstudium ist sehr detailliert und bildet hervorragend und auch recht breitgefächert aus. Allerdings sind die Lerninhalte naturgemäß begrenzt. Nach 6,5 Jahren Berufserfahrung im Bereich Bauleitung, Projektleitung und Projektkalkulation stellte ich fest, dass ich mich von der technischen Seite immer weiter entfernte und mich eher mit Themen wie Management, Strategie und Finanzierung von Projekten beschäftigte. Zur Erweiterung meines Blickfeldes und Vertiefung meiner Managementfähigkeiten lag der postgraduale Studiengang Master of Business Administration nahe. Da ich mich im Vorfeld für ein 12-monatiges Vollzeit-MBA-Studium und nicht für ein zweijähriges Programm entschieden hatte, erschien mir Europa als adäquate Plattform, insbesondere weil ich meine Sprachkenntnisse im Französischen erweitern wollte. Von dieser Grundvoraussetzung ausgehend, kam dann auch nur Frankreich für mich in Frage und dies führte schließlich zu meiner Bewerbung bei der ESCP Europe in Paris.

Gab es noch andere Business Schools ausser der ESCP, die für Sie interessant waren?

In der Tat war HEC Paris ebenfalls eine Option. Ich wollte meinen MBA in einer großen Stadt absolvieren, weil ich danach plante, in dieser Stadt eine Firma zu gründen. Dementsprechend kam HEC auch in Frage. Ich habe mich bei beiden Programmen beworben und wurde bei beiden angenommen. Ich legte meinen Fokus damals auf den Bereich Finance & Strategy: Die Professoren für diese Themen waren dann auch meine Interview-Partner bei ESCP Europe. Beide waren mir sehr sympathisch. Insofern ergab sich hier eine persönliche Präferenz. Mein Empfang in Paris war ebenfalls eine sehr angenehme, individuelle und persönliche Erfahrung. Dies war bei HEC so nicht der Fall. Desweiteren kam es mir entgegen, dass die Teilnehmerzahl bei ESCP Europe eher gering war, dafür aber die Teilnehmer über langjährige Berufserfahrung verfügten. Im Hinterkopf hatte ich damals bereits sicherlich auch, dass ich vielleicht jemanden treffen würde, der sich mit meinem Ziel, ein Unternehmen zu gründen, identifizieren würde. Deswegen hätte es mir wenig geholfen, wenn ich mit 27- oder 28-jährigen zusammen studiert hätte. Die Entscheidung für die ESCP Europe lag dementsprechend auf der Hand, da ich hier mit 30 bis 45-jährigen zusammenarbeiten konnte.

Wie kann ich mir den typischen Tag oder die typische Woche bei ESCP Europe vorstellen? Wie läuft das Studienprogramm ab?

Man absolviert zunächst ein Basisprogramm und spezialisiert sich später auf ein Themengebiet. Ich habe hierbei den vollen Rahmen ausgeschöpft und mehr Stunden absolviert, als ich eigentlich gemusst hätte. In den ersten Monaten gab es noch die Pflichtkurse u.a. in den Bereichen Finance, Strategy, Marketing, Human Ressources, Organisations & Management und noch einige weitere Core-Courses. Es war unter der Woche sehr intensiv: Es wurden sehr oft zwei bis drei Case-Studies für die jeweils nächste (teilweise bereits am nachfolgenden Tag stattfindende) Unterrichtseinheit besprochen und dann zusammen mit dem Professor in der Klasse im Detail erarbeitet. Gruppenarbeiten gehörten ebenfalls zum Studium. Beispielsweise haben wir ein Marketingprojekt für Starbucks in Wien durchgeführt oder auch für die Television-Unit der französischen Lagardere Gruppe ein Strategic Mapping erstellt. Es gab sehr viel Gruppenarbeit. Die Wahlkurse waren aus meiner Sicht ganz besonders gut. Wir haben sehr nah an der Realität gearbeitet, die Professoren kamen aus der freien Wirtschaft und wussten, wovon sie sprachen. Praxisnähe war für mich auch ein sehr wichtiger Faktor.

Wieviel kostete Ihr Studium an der ESCP Europe unterm Strich mit Lebenshaltungskosten, Studiengebühr, etc.?

Zwischen 55.000 und 60.000 Euro. Ich muss dazu sagen, dass ich auch nicht schlecht gelebt bzw. meinen Standard nicht verändert habe. Man kann höchstwahrscheinlich auch mit weniger auskommen. In Taiwan hatte ich die Möglichkeit genügend Kapital anzusammeln, um erstens mein Studium zu finanzieren und zweitens dann meine eigene Firma zu gründen.

Stichwort MBA-Finanzierung: Haben Sie sich selbst finanziert?

Ja. Meine Firma wollte mich eigentlich behalten und meinen Vertrag für die Dauer des MBA-Studiums auf Eis legen. Aber das wollte ich nicht. Ich wollte erstens nicht abhängig sein, zweitens brauchte ich die Firma nicht, drittens hatte ich sowieso etwas anderes vor und viertens hätte mich die Firma sowieso wieder eingestellt (lacht).

Stichwort MBA-Bewerbung: Wie haben Sie Ihre Vorbereitung auf den GMAT und TOEFL empfunden?

Der TOEFL war überhaupt kein Thema, da Englisch schon in Europa meine Geschäftssprache war und in Taiwan natürlich erst recht. Die englische Sprache entwickelte sich für mich zur zweiten Muttersprache und dementsprechend war der TOEFL für mich keine Hürde. Auf den GMAT habe ich mich etwas intensiver vorbereitet mittels CDs und einem Buch (an den Titel des Buches kann ich mich leider nicht erinnern). Schätzungsweise zwei Wochen vor dem Test bereitete ich mich im Abend- und Wochenendstudium auf ihn vor. An meine genaue Punktzahl kann ich mich nicht erinnern: Ich weiß noch, dass ich als einer unter den ersten 10% abgeschlossen habe. Als Ingenieur mit sehr guten Englischkenntnissen und mathematischer Vorbildung erschien es mir auch nicht als zu schwer.

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Können Sie etwas explizit Positives bzw. Negatives über Ihr MBA-Programm sagen?

Negativ ist mir aufgefallen, dass das Programm teilweise etwas unorganisiert wirkte. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass das Programm sehr klein war und die Verwaltungsangestellten sich auch um die anderen Bereiche der Schule (das MBA Programm ist nur eines der viefältigen Angebote der ESCP) kümmern mussten. Positiv war auf jeden Fall die Praxisnähe der Professoren und ihre Verfügbarkeit, die Qualifikation der Studenten, die Diversität der Studenten bezüglich ihrer Geographie und Kultur. Viele sind eben nach dem Studium in ihre Heimatländer zurückgegangen und die Kontakte helfen mir entweder privat oder beruflich. Ein weiterer negativer Punkt war die Tatsache, dass ein oder zwei Fächer von den Professoren aus meiner Sicht nicht ausreichend vorbereitet waren. Möglicherweise hatten die Professoren weniger qualifizierte Studenten erwartet. Beim Wahlkurs Operations Management beispielsweise schien mir der Professor erwartet zu haben, dass in diesem Kurs Anfänger sitzen. Da wir aber einige Kommilitonen hatten, die in eben diesen Bereich schon tätig waren, war dies nicht der Fall. Auch bei einem Wahlkurs im Bereich Marketing war der Professor nicht ausreichend vorbereitet, was er jedoch schnell nachholte. Sehr positiv wiederum war die Möglichkeit in vielen Projekten mitzuarbeiten wie z.B. in Wien oder Rio de Janeiro. Das hängt auch ein bisschen von der Eigeninitiative ab – das ist auch ein Tipp für die squeaker: Man sollte viel Eigeninitiative mitbringen, weil man mit der kleinen Anzahl an Studenten unglaublich viel erleben kann. Das empfand ich als große Bereicherung – es erfordert allerdings die Motivation, sich selbst einzubringen.

Gibt es einen Insider-Tipp, den Sie angehenden Studenten mit auf den Weg geben können?

Man sollte auf jeden Fall die Parties mitnehmen. Es gibt ja nicht nur MBA-Parties, sondern auch die von anderen Studiengängen. Nehmt euch die Zeit, auch mal aus Paris rauszufahren. Rund um Paris gibt es wunderschöne Wälder, eine herrliche Umgebung. Studiert nicht nur! Eine generelle Botschaft lautet: „It’s supposed to be fun!” Das Programm muss auch Spaß machen. Das Todernste mag ich nicht. Das heißt nicht, dass man keinen guten Abschluss machen kann: Ich habe als Jahrgangsbester abgeschlossen, habe mich sehr stark engagiert, aber habe nie vergessen, diese persönliche Bereicherung für eine Bewusstseinserweiterung wahrzunehmen. Diese Bewusstseinserweiterung hat mich dann auch dazu geführt in Frankreich – also einem anderen als meinem Mutterland, in einer anderen Sprache und mit einer anderen Kultur – eine Firma (City Investments) zu gründen. Diese kulturelle Komponente, das Wachstum der eigenen Persönlichkeit erschließt sich nicht aus Büchern. Mein Eindruck war, dass nicht alle Studenten meines Jahrgangs – etwa 40 – dieses Prinzip beherzigten.

Stichwort Kultur: Wieviele Nationalitäten waren in Ihrem Studiengang vertreten?

Etwa 20 bis 25. Wir hatten Deutsche, Kanadier, Inder, Venezolaner, Brasilianer, Argentinier, Afrikaner, Briten, Australier, Irländer, Schweden, Dänen, Zyprioten, Italiener, Schweizer etc. Der Jüngste war 25, der Älteste, der dann auch mein Partner in meiner Firma City Investments wurde (und heute noch ist), war damals 45.

Würden Sie das Studium nochmal machen?

Auf jeden Fall!

Wie wichtig ist Ihnen Ihr Netzwerk, das Sie sich während Ihres Studiums aufgebaut haben und wie hat es Ihnen in Ihrer Karriere weitergeholfen?

Es gibt ja das allgemeine Alumni-Netzwerk, zu dem jeder Zugang hat, das aber eher anonym ist. Auf dieses Netzwerk greife ich überhaupt nicht zu. Ich nutze ausschließlich mein persönliches Alumni-Netzwerk, das ich mir selbst aufgebaut habe. Es gibt in diesem Netzwerk keinen Kontakt, der besonders vorherrscht. Ich greife immer wieder mal auf meine Kontakte zurück, um z.B. anderen Bekannten ein Praktikum in einem Unternehmen zu vermitteln. Oder wenn ich spezielle Fragen habe, wende ich mich an meine ehemaligen Kommilitonen in London oder Paris. Mein Mitbegründer von City Investments kam ja eben auch aus meinem MBA-Jahrgang. Einen besseren Beweis für funktionierendes Networking kann es wohl nicht geben.

Möchten Sie noch einen abschließenden Kommentar abgeben?

Ja. Ich möchte noch erwähnen, dass mir das Leben viel gegeben hat. Zunächst haben mir meine Eltern eine gute Erziehung ermöglicht. Ich denke, wenn man etwas im Leben empfangen hat, ist es ganz wichtig, auch etwas zurückzugeben. Das sehe ich leider zu wenig bei anderen Kommilitonen. Das finde ich schade, insbesondere wenn man viel erlebt hat, einen MBA gemacht hat, viel Wissen gesammelt hat. Dann kann und sollte man etwas zurückgeben. Ich persönlich engagiere mich sehr für Hauptschüler, die am Übergang stehen zwischen Schulabschluss und Ausbildung, wo ich Kurse halte an Schulen in sozialen Brennpunkten. Ich bin gerade auf dem Weg nach Berlin, um diese sozial benachteiligten Schüler zu unterstützen. Mit meiner Firma war ich auch Founding Member von AGE – Advancing Girls’ Education in Afrika, einer US/Malawi-NGO, die sich für die Schulausbildung sozial benachteiligter Mädchen in Malawi einsetzt und ihnen den Besuch der Sekundarstufe ermöglicht. Ich finde, wer bekommen hat, soll zurückgeben!

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