Der SQUEAKER Ratgeber
SWOT-Analyse einfach erklärt – mit Beispielen fürs Consulting
Für deinen Einstieg in die Unternehmensberatung solltest du verschiedene Frameworks kennen – eins davon ist die SWOT-Analyse. Du kannst sie bereits anwenden, wenn du im Bewerbungsprozess um eine Stelle bei McKinsey, Bain & Company oder Horvárth eine Case Study bearbeitest. Aber auch im Consulting-Alltag ist die SWOT-Analyse ein Standard-Werkzeug. Deshalb zeigt dieser Artikel die wichtigsten Elemente, konkrete Beispiele sowie Vor- und Nachteile im Überblick.
Was ist eine SWOT-Analyse? Auf einen Blick:
- Die SWOT-Analyse ist ein Framework, mit dem du Produkte oder Geschäftsbereiche analysieren kannst.
- Es geht um die vier Dimensionen Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken.
- Hast du die nötigen Informationen für alle Dimensionen in einer Matrix zusammengetragen, ist es möglich, die passende Strategie zu entwickeln.
- Die SWOT-Analyse ist ein Standard-Tool im Consulting – die stark vereinfachte Darstellung hat aber auch Nachteile.
SWOT-Analyse: Definition und Herkunft
So wichtig sie noch immer im Business-Alltag ist: Die SWOT-Analyse wurde bereits in den 1960er-Jahren entwickelt – an der Harvard Business School hat man sie als Instrument der strategischen Unternehmensplanung eingesetzt. Die SWOT-Analyse ist seitdem ein häufig eingesetztes Instrument bei der Entwicklung und Bewertung von Unternehmensstrategien.
SWOT ist dabei ein Akronym, das aus dem Anfangsbuchstaben vier englischsprachiger Begriffe besteht:
- S: Strengths (Stärken)
- W: Weaknesses (Schwächen)
- O: Opportunities (Chancen)
- T: Threats (Risiken)
Die beiden ersten Aspekte betrachten dabei die interne Sicht: Wo liegen die Stärken und Schwächen von einem Produkt oder Unternehmen? Bei den weiteren beiden Aspekten weitet sich dann der Blick, es geht um externe Faktoren: Wo liegen die Chancen und Risiken auf dem relevanten Markt? Wie sehen die Wettbewerber und das gesamte wirtschaftliche Umfeld aus?
Bei einer SWOT-Analyse sammelt man zuerst Informationen zu den vier Parametern und stellt diese dann meist in einer 2×2-Matrix zusammen. Das ist die Basis, um auf Grundlage der SWOT-Analyse eine stimmige Strategie für das jeweilige Produkt oder Unternehmen zu entwickeln.
Wofür wendet man die SWOT-Analyse an?
Bei der SWOT-Analyse geht es im Kern darum, einen Ist-Zustand zu bewerten und darauf basierend Strategien für die Zukunft zu entwerfen. Das Framework selbst löst somit nicht im ersten Schritt die Herausforderungen eines Unternehmens, doch sie macht Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken sichtbar – was für eine weitere strategische Planung unerlässlich ist. Typische Einsatzbereiche, in denen die SWOT-Analyse zum Einsatz kommt, sind Geschäftsstrategien, Marketingkonzepte und Projektplanung.
Auch im Consulting gehört die SWOT-Analyse zum Standard, zum Beispiel, wenn es darum geht, eine fundierte Entscheidungsgrundlage für einen Kunden zu entwickeln. Auch wenn unternehmerische Entscheidungen meist ein Risiko beinhalten: Die SWOT-Analyse soll das Entscheidungsrisiko in einem Case minimieren und eine präzisere Planung zu ermöglichen. Besonders erfolgsversprechend ist die SWOT-Analyse, da sie thematisch flexibel ist und verschiedene Perspektiven (interne und externe Faktoren) kombiniert. Gleichzeitig hilft diese Methode dabei, aktuelle Markttrends im Blick zu behalten und die eigenen unternehmerischen Entscheidungen daran auszurichten.
Wie läuft die Durchführung der SWOT-Analyse – einfach erklärt?
Willst du die SWOT-Analyse im Consulting durchführen, geht es im Kern darum, alle Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zu identifizieren, zu prüfen, ob das jeweilige Produkt oder Geschäftsmodell am Markt bestehen kann und auf dieser Basis Maßnahmen abzuleiten, die einen strategischen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen.
Konkret stehen bei einer SWOT-Analyse die folgenden Schritte an:
1. Recherche von Informationen:
- Zunächst geht es darum, für alle vier Aspekte der SWOT-Analyse die nötigen Fakten und Zahlen zusammenzustellen: Wo liegen die Stärken und Schwächen eines Produkts oder Geschäftsbereichs? Hier kann es um Faktoren wie Patente, Umsätze, Funktionalität, Technologien, Know-how, Markenkern oder Kundenbindung gehen
- Für die Chancen und Risiken steht eine Analyse des Umfelds an: Wie sind aktuelle Markttrends, welche technologischen Fortschritte gibt es bei Mitbewerbern, welche wirtschaftlichen Entwicklungen beeinflussen das Produkt oder die jeweilige Unternehmenssparte?
2. Darstellung der Informationen:
- Liegen alle wichtigen Informationen vor, stellst du diese in einer 2×2-Matrix zusammen, die einen guten Überblick über die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken bietet.
- Hierbei ist es wichtig, dass jede Information nur einem Feld zugeordnet werden kann – auch wenn die Unterscheidung zwischen internen Schwächen und externen Risiken manchmal schwerfällt.
- Außerdem sind die Informationen in der Matrix zunächst ohne Gewichtung und Bewertung einzutragen. Die Ableitung von Schlussfolgerungen erfolgt im nächsten Schritt.
3. Entwicklung einer Strategie:
- Die SWOT-Analyse ist die Basis, sie ist eine fundierte Ausgangslage, um nun eine passende Strategie für ein Produkt, einen Geschäftsbereich oder ein Unternehmen zu entwickeln.
- In der Regel folgt eine von diesen Strategien: Die Ausbau-Strategie (bei der identifizierte Stärken gezielt für einen Aspekt aus dem Chancen-Feld eingesetzt werden), die Aufhol-Strategie (bei der eine Schwäche in eine Stärke oder eine Chance umgewandelt wird, um Mitbewerber einzuholen), die Absicherungs-Strategie (bei der es darum geht, wie Risiken Stärken bedrohen – und was dagegen zu unternehmen ist – oder welche Stärken konkret bestehende Risiken abfangen) und die Vermeidungs-Strategie (bei der Schwächen und Risiken gemeinsam aufzeigen, welche Unternehmensbereiche nicht mehr lukrativ sind und wie man entsprechenden Nachteilen vorbeugt).
SWOT-Analyse für Consulting-Einsteiger:innen: ein Beispiel
Die SWOT-Analyse ist ein klassisches Framework, das du für den Einstieg in die Unternehmensberatung kennen solltest. Es kann dir auch bereits bei der Lösung von Fallstudien helfen, die du auf dem Weg zum ersten Job gestellt bekommst. Wichtig dabei: Wie alle Frameworks kann auch die SWOT-Analyse nur eine hilfreiche Grundlage und ein guter Ausgangspunkt sein – und es ist unerlässlich, die vier Elemente der Analyse zu kennen.
Entscheidend ist, dass du diese Frameworks nicht nur auswendig lernst, sondern sie verstehst, ihre Vor- und Nachteile (s.u.) durchdringst und mit deinem Wissen eine gut nachvollziehbare Lösung entwickelst. Wenn du die SWOT-Analyse als eins von vielen möglichen Werkzeugen betrachtest, kommst du der Lösung von Fallstudien oder realen Cases im Consulting sicher schnell näher.
Wie könnte also ein Beispiel aussehen, bei dem du eine SWOT-Analyse durchführst?
Stellen wir uns vor, du bist als Consultant bei einem internationalen Industrieunternehmen im Einsatz. Es handelt sich um einen globalen Player mit mehreren Produktionsstandorten, langer Tradition und starkem Wettbewerb. Deine Aufgabe ist es, die aktuelle Situation des Unternehmens zu bewerten und dann eine Strategie zu entwickeln, auf welche Geschäftsbereiche sich das Unternehmen fokussieren sollte.
Du sammelst zunächst alle Informationen für die vier SWOT-Aspekte (die wir hier fiktiv eingetragen haben):
- Stärken: Hohe technische Expertise, jahrzehntelange Erfahrung, breites Produktportfolio, globale Präsenz, langjährige Kundenbeziehungen, solide finanzielle Basis
- Schwächen: Veraltete IT-Landschaft, interne Silo-Strukturen, lange Entscheidungswege, hohe Fixkosten
- Chancen: Digitalisierung von Produkten/Automatisierung, Industrie 4.0, neue Märkte in Lateinamerika und Südostasien, Kooperation mit Tech-Unternehmen
- Risiken: Intensiver globaler Wettbewerb, volatile Rohstoffpreise, geopolitische Unsicherheiten, Kundenbranchen im Wandel
Du siehst hier, wie breit die jeweiligen Aspekte gefasst sind – und gleichzeitig, wie klar man sie voneinander trennen kann. So geht es bei Stärken nicht nur um die Qualität von Produkten, sondern auch um Strukturen, Reputation und finanzielle Sicherheit. Schwächen können auch organisational bedingt sein, Chancen ergeben sich häufig aus Markttrends, bei Risiken geht es auch um externe Faktoren, die man selbst nicht kontrollieren kann, aber strategisch berücksichtigen muss. Das Feld ist also vielschichtig, umso entscheidender ist es, hier als Consultant einen klaren Überblick über die verschiedenen Perspektiven zu haben.
Nachdem du alle Aspekte in eine 2×2-Matrix eingetragen hast, geht es darum, eine passende Strategie zu entwerfen. Du könntest hier beispielsweise auf eine Ausbau-Strategie setzen, bei der du den Ausbau digitaler Services vorschlägst. Du nutzt dabei die Stärken der globalen Präsenz und langjährigen Kundenbeziehungen und die Chancen, die in Industrie 4.0 liegen: Indem du beides zusammenbringst, könntest du eine erfolgreiche Ausbau-Strategie skizzieren. Eine weitere Option für eine Ausbau-Strategie wäre es, die Stärken „globale Präsenz“ und „solide finanzielle Basis“ zu nutzen, um das Potenzial in de Chance „neue Märkte in Lateinamerika und Südostasien“ auszuschöpfen und hier einen Expansion in Wachstumsmärkte vorzuschlagen.
Wo liegen die Vor- und Nachteile der SWOT-Analyse?
Du hast die Kernpunkte der SWOT-Analyse nun verstanden und kannst sie selbst in Case Studies durchführen. Blicken wir abschließend noch auf die Vor- und Nachteile dieses Frameworks:
Vorteile
- Die SWOT-Analyse bietet eine schnelle und strukturierte Übersicht über die wichtigsten Faktoren einer Entscheidungsgrundlage.
- Das Framework verbindet interne und externe Faktoren und bringt so verschiedene Perspektiven zusammen.
- Das Vorgehen ist leicht verständlich und kann in Projekten und Fragestellungen verschiedener Größenordnungen durchgeführt werden.
- Die SWOT-Analyse lässt sich allein und auch im Team durchführen.
- Du kannst aus der SWOT-Analyse vier verschiedene Strategien ableiten, die eine künftige positive Entwicklung versprechen.
Nachteile
- Damit alle vier Dimensionen der SWOT-Analyse umfassend betrachtet werden, ist hoher Rechercheaufwand erforderlich.
- Die Darstellung in der 2×2-Matrix ist übersichtlich, aber auch etwas vereinfacht – sie bildet vor allem grundlegende Informationen ab.
- Es ist in der SWOT-Analyse nicht vorgesehen, dass bei der Zusammenstellung der vier Dimensionen einzelne Aspekte priorisiert werden. Das kann es erschweren, die passenden Maßnahmen abzuleiten.
Fazit: SWOT-Analyse
Klar ist also: Die SWOT-Analyse ist ein wichtiges Werkzeug im Consulting und du musst es kennen, wenn du eine Karriere in der Unternehmensberatung planst. Gleichzeitig ist es nicht das eine erfolgbringende Tool, das du als Schablone bei jedem Case anwenden kannst. In jedem Einzelfall ist deine Einschätzung und Expertise gefragt, mit welchem Framework du ans Ziel kommst – um so für deinen Kunden die beste Lösung zu präsentieren.
Das heißt: Je besser du die einzelnen Frameworks kennst und je mehr Fallstudien du trainierst, desto sicherer wirst du. Und dann weißt du bald sicher schnell, ob du bei einem Case auf die SWOT-Analyse setzt oder ein anderes Framework anwendest, das dich ans Ziel bringt.
Jenny ist Senior Content Marketing Managerin und entwickelt seit der Gründung von SQUEAKER Inhalte, die Talente und Beratungen zusammenbringen, Transparenz schaffen und authentische Einblicke ermöglichen. Ihr Fokus: Themen so aufbereiten, dass Kandidat:innen echten Mehrwert erhalten und fundierte Karriereentscheidungen treffen.
FAQ – Häufige Fragen zur SWOT-Analyse
Was ist die SWOT-Analyse?
Bei der SWOT-Analyse handelt es sich um ein Framework, mit dem man Produkte oder Geschäftsbereiche analysieren kann. Der Begriff setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Begriffe Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken) zusammen.
Wofür eignet sich die SWOT-Analyse?
Bei der SWOT-Analye bewertest du einen Ist-Zustand und entwirfst auf dieser Grundlage Strategien für die Zukunft. Das Framework löst also nicht die Herausforderungen eines Unternehmens, macht aber die wichtige Entscheidungsbasis sichtbar. Die SWOT-Analyse kommt typischerweise bei Geschäftsstrategien, Marketingkonzepten und Projektplanung zum Einsatz.
Welche Strategien lassen sich aus der SWOT-Analyse ableiten?
Nach der SWOT-Analyse folgt meist eine der vier folgenden Strategien: Ausbau-Strategie, Aufhol-Strategie, Absicherungs-Strategie oder Vermeidungsstrategie. Hier kommen jeweils die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken zusammen und so ergibt sich eine Strategie, die für den Ist-Zustand des Unternehmens oder Geschäftsbereichs geeignet ist.
Welche Vor- und Nachteile hat die SWOT-Analyse?
Die SWOT-Analyse ermöglicht eine schnelle und strukturierte Übersicht über relevante Faktoren, das Vorgehen ist leicht verständlich und die daraus resultierenden Strategien versprechen positive Geschäftsentwicklungen. Nachteilig ist, dass eine aufwändige Recherche durchgeführt werden muss, die Darstellung der Ergebnisse aber stark vereinfacht ist. Außerdem ist es in der SWOT-Matrix nicht vorgesehen, einzelne Aspekte zu priorisieren.