Achtung Chef: Die Top 10 Fehler bei der Mitarbeiterführung

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Yeah! Du bist der Boss. Aber noch schneller kannst du auch wieder kleine Brötchen backen. Wie dir das gelingt, erfährst du in unseren 10 schlimmsten Fehlern bei der Mitarbeiterführung.

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© Kzenon

via fotolia

Herzlichen Glückwunsch! Du hast dich mit deinem Engagement in deinem Unternehmen unabkömmlich gemacht. Du hast sogar so sehr gepunktet und Führungsqualitäten an den Tag gelegt, dass du nun selbst Chef oder Teamleiter bist. Die Rolle als Chef ist eine völlig andere als die des Mitarbeiters. Wir zeigen dir mit den 10 schlimmsten Fehlern bei der Mitarbeiterführung, wo die Fettnäpfchen verborgen liegen. Dem guten Vorsatz fürs neue Jahr „Ich will ein hervorragender Chef sein“ steht damit nichts mehr im Wege. 

1. Kommunikation? Nö, lieber die Aussicht vom Elfenbeinturm genießen!

Da sitzt du nun. Weit oben angelangt auf der Karriereleiter hast du es dir auf dem Chefsessel eingerichtet und genießt von deinem Elfenbeinturm die Aussicht. Du selbst kümmerst dich nur um die ganz wichtigen Dinge. Für alles andere hast du ja dein Fußvolk. Stop! Stop! Stop! Du hast zwar allen Grund dir nach deinem Erfolg mal auf die Schulter zu klopfen aber wenn du jetzt denkst, dass du dich zurücklehnen kannst, um die Aura der Chefetage und den neuen schicken Dienstwagen zu nutzen, hast du dich geschnitten. Jetzt geht es erst richtig los. In die Hände gespuckt und angepackt – zusammen mit deinem Team. Streife bossy Gehabe ab, erinnere dich an deine Soft Skills, begreife dich als Teil des Systems und werde für deine Mitarbeiter zum strahlenden Stern am Vorgesetztenfirmament. Du ahnst gar nicht, wie gut es tut, als Vorbild, Koordinator und verständnisvolle Führungskraft bewundert zu werden. Dreh- und Angelpunkt ist hierbei die Kommunikation. Ohne auf der anderen Seite in die Harmoniefalle des Everybody’s darling zu tappen, gewinnst du am meisten, wenn du für alles ein offenes Ohr hast und nach Möglichkeit jeden Mitarbeiter in der Einzigartigkeit seiner Fähigkeiten wahrnimmst. Schließlich kannst auch du noch von anderen lernen. Und andersherum? Formuliere alle deine Anliegen klar, unmissverständlich und transparent. Dass daraufhin genauso konsequente Taten folgen müssen, ist klar.

Insider-Tipp

"Offenheit und gegenseitige Wertschätzung für ein konstruktives und freundschaftliches Miteinander – unabhängig von Hierarchien – sind uns wichtig.", betont Anne Kaltenstein, Recruiting Managerin bei TKMC im Insider-Interview

2. Iih, eine Entscheidung! Lieber morgen!

Du drückst dich gerne vor Entscheidungen und verschiebst unliebsame Dinge schon einmal gerne auf morgen. Sorry, aber warum sitzt du dann auf dem Chefsessel? Eine „Dreh- und Angel-Eigenschaft“ von richtig guten Führungskräften ist der unbedingte Wille, Entscheidungen zu fällen, auch wenn sie unbequem sind, beispielsweise bei personellen Umstrukturierungen. Es ist Teil des Spiels: Je höher du die Karriereleiter hinaufgestiegen bist, desto unangenehmer werden auch die Entscheidungen. Da musst du jetzt durch. Du willst ja mit Sicherheit nicht, dass du auch zu denjenigen gehörst von denen, laut einer Studie der Unternehmensberatung Hay Group, 52% der Mitarbeiter sagen, dass sie zulange bei einer Entscheidung zögern, oder? 

Unser 5-Punkte-Plan für gute Chefs

  1. Das Unternehmen ist bereits gelähmt? Dann dezentrale Strukturen abbauen, um die gesamte Entscheidungskultur der Firma zu stärken.
  2. Informationen sammeln, aber nicht zu lange auf Informationen warten. Du musst als Führungskraft auch damit leben können, Entscheidungen zu treffen, ohne den gesamten Sachverhalt zu durchschauen. 
  3. Pro- und Contras gewissenhaft abwägen. Aber auch hier gilt: Time is Money. 
  4. Entscheidung treffen! Wenn du eine Entscheidung aus Angst oder Kalkül zu lang hinaus zögerst, demotivierst du deine Mitarbeiter und lähmst die gesamte Unternehmensstruktur. 
  5. Mit einer falschen Entscheidung klar zu kommen gehört zum Leben eines Managers dazu. Frag mal Mark Zuckerberg oder Marissa Mayer. Es ist passiert? Dann gilt es, Fehler zu erkennen und nicht zu wiederholen.

3. Nichts checken

Du bist ganz neu auf dem Chefsessel? Unseren Glückwunsch! Und nun macht man das, was man immer macht, bevor man ein neues Projekt startet. Man verschafft sich einen Überblick. Das bedeutet für dich, das Unternehmen aus dieser für dich neuen Position kennenzulernen. Dabei spielt es keine Rolle, ob du neu in der Firma oder nur vom Kollegen zum Boss aufgestiegen bist. Von hier oben sieht alles anders aus. Mit einer ausführlichen Bestandsaufnahme, die den Aufbau des Unternehmens, die langfristige Perspektive, seine Stärken und Schwächen und die Mitarbeiter umfasst, solltest du dich die ersten Tage als Chef beschäftigen.

Insider-Tipp

„Eine gute Führungsperson (...) hat Klarheit über die Ziele des Teams und ein Verständnis dafür, welche Fähigkeiten und Ressourcen notwendig sind, diese zu erreichen." sagt Helen Yuanyuan Cao Head of Global Market Management bei Qiagen im Interview über Führungsqualitäten.

4. Mitarbeiterführung nach Zahlen: Facts & Figures statt Menschlichkeit

Wenn in den vier Wänden deines Unternehmens etwas nicht rund läuft, darfst du dich nicht nur an Zahlen und Fakten orientieren, sondern musst auch hinter die Kulisse schauen, um den Dingen wirklich auf den Grund gehen zu können. Dasselbe gilt auch für die Kommunikation mit deinen Mitarbeitern. Die Arbeitswelt hat sich verändert, das Arbeitsklima steht bei der Generation Y deutlich mehr im Vordergrund. Um die Menschen hinter dem Consultant oder dem Wirtschaftsberater mit Kritik zu berühren, ist es unerlässlich auch die dahinterliegenden Emotionen und Motivation des Handels zu verstehen. Liefert ein Mitarbeiter im laufenden Projekt nicht die richtige Performance oder weichen die Zahlen von seiner sonstigen hervorragenden Leistung deutlich ab, sind dies die Fragen, die du dir und ihm stellen musst:

  • Warum verhält sich der Mitarbeiter so? 
  • Gibt es Spannungen innerhalb der Unternehmensstrukturen? 
  • Habe ich ihn bevor- oder benachteiligt? 
  • Wie sieht seine Realität aus? 

Das bedeutet nicht, dass du es dauerhaft zulässt, dass sich beispielsweise Probleme im Privatleben auf die berufliche Performance auswirken, aber du vermittelst mit dem Blick hinter die Kulissen und der persönlichen Ansprache Wertschätzung. Und durch Wertschätzung gewinnst du Vertrauen.

5. Be a Maybe – unverbindlich sein.

Ganz weit oben in den Top 10 der schlechtesten Eigenschaften als Chef thront die Unverbindlichkeit. Und seien wir mal ganz ehrlich. Wie sieht es für dich aus, wenn sich die Chefetage bei wichtigen Fragen nicht festzulegen vermag und sämtliche Optionen offen hält? Nutzt du gerne mal Phrasen wie "fokussierende Neuausrichtung" oder "Synergieeffekte", gehörst du auch zu denjenigen, die gerne um den heißen Brei herumreden, kann das sein? Man merkt es oftmals selbst gar nicht mehr, deine Mitarbeiter aber umso mehr. Sie brauchen und wollen ein klares Statement und keine schwammigen und nichtssagenden „Vielleicht"-Aussagen. Nur dann liefern sie auch die Arbeit, die du von ihnen benötigst.

6. Und wie war ich? Feedback & Führungsqualität wanted!

Deine Mitarbeiter verlangen kein Kopftätscheln, Sternchen für erstklassig abgewickelte Aufgaben und müssen auch nicht bei jeder Entscheidung an die Hand genommen werden. Genauso falsch ist es jedoch, Feedback nur einmal jährlich im Rahmen von Jahresgesprächen zu abzugeben. Die goldene Mitte ist genau das, was gute Mitarbeiter von dir verlangen können. Kurzum: Ein zeitnahes, projektgebundenes Feedback, das über bloße Kenn- und Vergleichszahlen hinausgeht, motiviert dein Team rechtzeitig zu neuen Höchstleistungen oder ermutigt sie neue Wege zu gehen. Der beste Weg dazu sind regelmäßig stattfindende Meetings. 

7. Hands on: Volle Kraft auf Koordination & Organisation

Das Team kommt nicht weiter? Die Kommunikation zwischen den Abteilungen läuft nicht? Das Projekt stockt? Viele Köche verderben den Brei? Jetzt bist du als Retter in der Not, als großer Vermittler und Koordinator gefragt. Das ist dein schillernder Auftritt, um zu zeigen, was für ein erstklassiger Chef in dir steck – vorausgesetzt du hast tatsächlich den Durchblick. Natürlich solltest du nicht beim leisesten Verdacht den großen Helden spielen und deinem Team die Verantwortung entreißen, aber wenn du das Gefühl hast, es steuert auf eine Sackgasse zu oder, dass du als neue Führungskraft in einem Gespräch mit einem wichtigen Kunden einen ganz anderen Einfluss wahrnehmen könntest, dann stehen für dich alle Zeichen auf „Go“. Das richtige Team wird’s dir übrigens mit verstärkter Motivation danken.

8. Die ehemaligen Kollegen: Fußballkumpel bleibt Fußballkumpel

Dich und deinen Kollegen verband vor deinem sagenhaften Aufstieg zum Teamleiter eine ganz besondere Männerfreundschaft, die sich durch durchgezechte After-Work-Abende und knallharte Fußballmatches im ganzen Büro einen Namen gemacht hat? Die gute Nachricht: An der Freundschaft muss sich nicht unweigerlich etwas ändern. Die schlechte Nachricht: In den meisten Fällen ändert sich eben doch etwas. Sorry, wenn wir das so deutlich sagen, aber deine neue Position verändert eine Menge und die Kurve, die du von der Chefin mit harter Kante tagsüber zur witzigen Cocktailfreundin am Abend kriegen musst, ist verdammt eng. Es spricht nichts dagegen, einen Versuch zu starten. Wichtig ist dabei nur, dass du das freundschaftliche Verhältnis nicht mit allen Details mit ins Büro bringst. Damit schwächst du deine Position gegenüber der Freundin oder dem Kumpel und weckst Argwohn bei den im Umgangston mit dir benachteiligten Mitarbeitern. 

Insider-Tipps für den Vertrauensaufbau

  • Überprüfen die Ängste, die du vor einem etwaigen Kontrollverlust hast. 
  • Dir sind Zwischenberichte wichtig? Okay, dann überlege genau, wann du über welche Fortschritte benachrichtigt werden willst und teile deine Entscheidung transparent allen Mitarbeitern mit.  
  • Vertrauensaufbau und Kontrolle lassen sich in wöchentlichen Meetings besonders gut miteinander vereinbaren. Außerdem sind Meetings eine hervorragende Gelegenheit, Mitarbeiter wie Vorgesetzte besser kennenzulernen. 
  • Gewinne mit klaren und konsequenten Ansprachen das Vertrauen des Teams. Auch auf der anderen Seite des Schreibtischs lauern Missverständnisse und Zweifel.

Insider-Tipp

Du willst das und noch viel mehr? Unternehmen wie McKinsey bieten zahlreiche Programme für Frauen an, die Karriere machen wollen, wie zum Beispiel das Female Leadership Program. 

9. I’m watching you: Zum Kontrollfreak werden

Kein Zweifel, du musst regelmäßig überprüfen, ob das wichtige Projekt seinen geplanten Lauf nimmt und alle Mitarbeiter, die gemeinsam forcierten Ziele auch langfristig erfüllen können. Aber bitte werde nicht nur Chefklette, die jedem Mitarbeiter drohend und überprüfend im Nacken sitzt, alle paar Stunden Zwischenberichte verlangt sowie Emailpostfächer und die Dauer von Toilettengängen kontrolliert. Damit erreichst du nur die totale Demotivation des ganzen Teams. Kurzum: Die Zerstörung der gesamten Vertrauenskultur im Unternehmen. Und ganz ehrlich, wenn deine Mitarbeiter bisher ehrlich, verantwortungsvoll und transparent gehandelt haben, öffnest du ihnen mit dem Misstrauen, das du sähst, Schlamperei, Intrigen und Demotivation Tor und Tür. Schenk deinen Schäfchen Vertrauen und spreche deine Mitarbeiter im Falle eines Falles ganz offen auf ein mögliches Fehlverhalten an. 

10. Die Chefin! Nun aber schnell in die Rolle schlüpfen.

Frauen führen in Nuancen anders. Nicht besser, nicht schlechter, sondern einfach anders, in dem sie oftmals andere Schwerpunkte setzen und mit anderen Soft Skills überzeugen. Dazu gehören nicht immer aber immer öfter stärkere Kundenbindungen, die Konzentration auf Weiterbildungen sowie die Tendenz mutiger, realistischer und stressresistenter mit schwierigen Situationen umzugehen. Dementsprechend sind auch die Erwartungen, die an weibliche Führungskräfte gestellt werden andere. Auch weil sich Frauen wie Männer besonders in klaren Männerdomänen wie Automotive oder Consulting immer noch schwer tun mit einer Chefin. Also bloß nicht den Fehler machen und in die vermeintliche Rolle schlüpfen, die die Kollegen für dich vorgesehen haben. Du musst weder den Mann mit vermeintlich stereotypen Attributen wie Ellbogenmentalität und Machogehabe, noch die verständnisvolle, emphatische und fürsorgliche 24/7-Mutti zu spielen. Unser Tipp: Überzeuge Neider mit deinem Können, lass’ bossy & girly Gehabe daheim, schenke deinen Mitarbeitern Vertrauen und übe all deine Handlungen mit viel Transparenz und Konsequenz aus. Und Helen Yuanyuan Cao, Beraterin bei Bain & Company rät jungen Frauen außerdem, „sich immer wieder Zeit nehmen, das „Big Picture“ zu sehen und darüber auch mit Kollegen außerhalb des eigenen Verantwortungsbereichs zu sprechen. Eine Meinung haben und sich trauen, diese zu kommunizieren. Und sich bewusst sein, dass es bei Führung primär um den Umgang mit Menschen geht und sich dieser Verantwortung bewusst sein.“

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