Next Challenge: Disruption im Consulting

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Digitale Tools im Berater-Alltag

Digitale Tools im Berater-Alltag

Die Digitalisierung verändert auch den Arbeitsalltag von Beratern: Die Zusammenarbeit wird durch Sharing-Dienste optimiert, wodurch viele Arbeitsschritte schneller, effizienter und flexibler werden. Teams kommunizieren digital und meistens von verschiedenen Orten aus: Berater halten per Videokonferenz problemlos Rücksprache mit ihrem Projektleiter, der gerade im Home-Office ist, während andere ihr Brainstorming auf die sonnige Terrasse verlagert haben. Digitale Projektmanagement-Software unterstützt die Organisation von Tasks, es gibt Plattformen für interne soziale Netzwerke, teilweise läuft die Kommunikation direkt über WhatsApp. Tools, die noch weiter gehen, sind in Entwicklung: Künstliche Intelligenz soll Analysen automatisieren, Algorithmen könnten bald vorhersagen, wie sich Verzögerungen in einzelnen Abschnitten auf das gesamte Projektergebnis auswirken – und frühzeitig eine Warnung abgeben, falls der fristgerechte Erfolg in Gefahr ist.

Dass die großen Consultinghäuser so viel Power in digitale Projekte stecken, ist nicht verwunderlich: Wie alle Beratungen müssen auch die Big Player beweisen, dass sie gebraucht werden. Denn mit jedem Tag betreten neue Ex-Berater und On-Demand-Experten den Markt, lernen Freelancer-Netzwerke neue Skills und kommen neue Insights-Tools dazu, die sich direkt aufs Smartphone laden lassen. Kurz gesagt: Die Disruption im Consulting ist im vollen Gange. Das spüren auch Berufseinsteiger. 

Ein Recruiter hat auf einem squeaker.net-Event die Frage eines Bewerbers verraten, die ihn vor kurzer Zeit zum Nachdenken gebracht hat: „Welche Rolle haben zukünftig Strategieberater, wenn sie im gleichen Hause auch Implementierungsleistungen und digitale Services, wie zum Beispiel Data Analytics, anbieten? Werden sie zu einer Art Super Salesforce und Koordinationsstelle, die einen komplexen Blumenstrauß an Fachexperten und Diensten für den Kunden bündeln?“ Der Bewerber konnte mit dieser Frage punkten: Sie demonstrierte sein Verständnis vom Wandel in der Beratungswelt. Sie zeigt aber auch, dass sich viele große Beratungen durch Akquisitionen und den Aufbau neuer Services für einen Umbruch in ihrer Industrie wappnen müssen – umso die Disruptionsgefahr in eine neue Chance umzuwandeln.

So arbeiten Berater 2019

 

  • Ein Trend der 2000er war die Entwicklung hin zu mehr Implementierung, nachdem die Beratungen bis dahin vor allem auf Strategie fokussiert waren. Früher erstellten die traditionellen Strategieberatungen wie McKinsey und BCG hauptsächlich Konzepte. Implementierungsprojekte verband man typischerweise mit den Big Four, also dem Beratungszweig der Wirtschaftsprüfungen von Deloitte, EY, KPMG und PwC sowie Technologieberatungen wie Accenture
  • Doch die Anspruchshaltung der Kunden ist gewachsen: Was nützt ein schönes Konzept auf Papier, wenn dieses nicht implementiert wird? An die Erwartung der Kunden, dass Konzepte auch umgesetzt werden sollten, haben sich die meisten Beratungen angepasst – aber es stellt sie vor neue Herausforderungen. 
  • „Unsere Kunden suchen verstärkt einen Partner, der parallel zu Konzeptentwicklung, Detaillierung und Umsetzung die Materialisierung der Digitalisierungsmaßnahmen im Unternehmen sicherstellen kann“, sagt Jan Domhardt, Senior Consultant bei thyssenkrupp Management Consulting. „Daher werden zum einen Hard Skills, wie z.B. Data Analytics und Coding, zum anderen fundamentales Digitalisierungswissen bezüglich innovativer Technologien, neuer digitaler Geschäftsmodelle und smart People Management an Bedeutung und Wert gewinnen.“ 
  • Berater müssen also nicht nur Strategien entwickeln, sondern die Ideen am besten bis zur Implementierung begleiten. In einer idealen Welt durschauen sie Logistik, Finanzen und Produktion komplett – können sogar die nötige App selbst programmieren. So wäre sichergestellt, dass Consultants wirklich alle Schritte erkennen und verantworten können: Aber wer besitzt all diese Fähigkeiten? 
  • Einige Beratungen schulen ihre Consultants gezielt in Bereichen wie künstlicher Intelligenz oder Programmierung, um die Implementierung begleiten zu können. Zusätzlich sind viele Dienstleister involviert, was den Koordinationsaufwand erhöht. Hilfreich ist es, wenn man im eigenen Netzwerk oder in Tochtergesellschaften Spezialisten sitzen hat – und darum bemühen sich jetzt die Beratungen.

 

Neue Aufgaben für angehende Berater

Die Herausforderungen sind also immens. Langfristig werden die Beratungen gewinnen, die ihre interne Digitalisierungsagenda am besten und glaubhaft mit einem attraktiven Beratungsangebot kombinieren – und Kunden so wirksam und nachhaltig bei der Reise ins digitale Zeitalter unterstützen. Denn die immer professioneller agierenden Einkaufsabteilungen der Beratungskunden hinterfragen kritischer denn je, ob die antretenden Beraterteams den richtigen Skill-Mix und das geforderte Technologieverständnis mitbringen. Einzelinterviews mit jedem vorgeschlagenen Teammitglied im Vorfeld einer Projektvergabe sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. 

Was das für einzelne Berater bedeutet? Am besten schon als Einsteiger darauf achten, sich gründlich vor dem ersten Termin vorzubereiten. Das LinkedIn-Profil sollte alle relevanten Stichwörter enthalten – und die sollte man im Case Interview mit Kunden mit Wissen und Fakten füllen können. Scott Pender, Expert Operations and Technology Development bei thyssenkrupp Management Consulting, bestätigt, dass vor allem „hybride“ Berater hervorragende Karriere-Chancen haben. „Darunter verstehen wir Berater, die das klassische Beratungs-Know-how mit sehr guten analytischen Fähigkeiten, Strukturiertheit und Kommunikationsgeschick und gleichzeitig ein Digitalisierungsskillset mitbringen.“  

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Inhalt

  1. Einleitung: Digital Consulting Cases
  2. Next Challenge: Disruption im Consulting

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