MBA-Erfahrungsberichte

MBA an der LBS: Campusleben, Finanzierung, Networking

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Du bist jetzt seit einigen Monaten auf dem Campus an der London Business School. Was hast du bisher für Eindrücke gewonnen?

Bis zu diesem Zeitpunkt empfinde ich meine Kommilitonen als durchweg sehr positiv. Ich bin ja noch nicht sehr lange auf dem LBS-Campus und hoffe, dass das so bleiben wird. Grundsätzlich fühle ich mich sehr wohl, die Atmosphäre ist sehr inspirierend. Ich habe nun mit Menschen zu tun, die hochtalentiert, extrem interessiert und diversifiziert sind, die zu Denkanstößen anregen, denen man alleine nicht nachgegangen wäre. Im Gegensatz zum Erststudium, in dem man relativ wenig diskutiert, wird bei diesem Studium in fast jeder Stunde diskutiert. Zum Thema American Express-Umstrukturierung hört man Meinungen von Ärzten, Ingenieuren, Soldaten und auch Betriebswirtschaftlern.

Eine Fülle von Perspektiven wird geboten und dies war einer der wichtigsten Faktoren für mich, warum ich den Master of Business Administration machen wollte. Die Internationalität ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Ich lebe gerade mit einem Südkoreaner zusammen. Man erhält einen guten Eindruck der Kulturen. Wir tauschen uns aus, auch im Unterricht: Wie werden die Arbeitnehmer in Südkorea, USA oder Südamerika behandelt? Man erhält einen Einblick, wie es in dem jeweiligen Land aussieht.

Es wird eine große Auswahl an freiwilligen Vorträgen und Fahrten angeboten, z.B. im Dezember: Die London Business School wird mit Interessierten nach Asien fliegen, um dort Unternehmen zu besuchen, wie Deutsche BankMerril Lynch oder HSBC in Hong Kong. Eine Woche später werden wir in Shanghai Industrieunternehmen besuchen. Tatsächlich ist es so, dass man Pläne macht, was man gerne realisieren würde, wirft die Pläne auf Grund eines anderen Angebots wieder über Bord und im Prinzip ist es wirklich schade, dass der Tag nur 24 Stunden hat. So geht es mir im Moment: Es ist schwer abzuschätzen, wie ich meine Prioritäten setzen soll. Am liebsten wäre es mir, alles zu machen (lacht).

Blick vom Regents Park auf die London Business School LBS
Image by Bjoerdtvedt via Wikimedia

Gibt es auch schon Negatives über die London Business School zu berichten?

Negativ ist natürlich der familiäre Aspekt: Ich sehe meine Frau höchstens alle zwei Wochen. Das war uns beiden aber auch von Vornherein klar. Es ist jetzt eine Zeit der Trennung von anderthalb Jahren für die Zeit des Studiums.

Sainsbury Building, London Business School
Image by Bjoerdtvedt via Wikimedia

Schreiben Sie dann Ihre Master Thesis zu Hause?

Nein, eine solche Abschlussarbeit gibt es nicht. Es gibt ein Second-Year-Project und ein verpflichtendes Capstone, unter dem man eine Zusammenfassung seines MBA-Studiums versteht, der Abgleich der eigenen Ziele und der Vorher-Nachher-Vergleich. Habe ich das realisiert, was ich realisieren wollte? Hat der MBA erfüllt, was ich erwartet habe? Das Second Year Project macht man mit mehreren Kommilitonen in einer Gruppe. Das Projekt kann in einem Unternehmen stattfinden oder beispielsweise im Marketing Research-Bereich angesiedelt sein. Dieses Projekt ersetzt letztendlich die  Masterarbeit . In London sind die Zeiten sehr flexibel gehandhabt: Man kann zwischen 15, 18 und 21 Monaten wählen. Mein persönlicher Plan ist auf 18 Monate ausgerichtet, weil mir 15 Monate als zu kurz erscheinen, um alles umsetzen zu können, was ich mir vorgenommen habe.

Wie viel wirst du am Ende von 18 Monaten investiert haben, wenn du alle Ausgaben incl. Studiengebühr zusammen rechnest?

Etwa 100.000 Euro. Es kommt natürlich auf den Wechselkurs an, wie viel Zeit das Studium in Anspruch nimmt, aber man kann diese 100.000 Euro durchaus als Richtwert für die MBA-Finanzierung verstehen. Davon entfallen 45.500 Pfund (~50.000 bis 55.000 Euro) auf die Studiengebühr.

Was ich dazu jedoch noch sagen möchte: Es hört sich zunächst nach sehr viel Geld an, und es ist ja noch nicht berücksichtigt, dass man in der Zeit einen Einkommensverlust hat. Ich glaube aber, dass sich ein MBA gerade an einer  Top-Schule  trotzdem lohnen wird. Finanziell wird er sich garantiert amortisieren, auf jeden Fall wird er mich persönlich weiterbringen. Dementsprechend habe ich auch nicht kalkuliert, wie schnell ich den Kredit zurückzahlen kann, sondern freue mich insbesondere über den sozialen und persönlichen Mehrwert. Ob sich der Traumberuf für mich ergibt, weiß ich noch nicht...

Hauptgebäude London Business School
Image by Bjoerdtvedt via Wikimedia

Was wäre denn dein Traumberuf nach dem MBA?

So genau kann ich das noch nicht sagen: Es gibt zumindest mehrere Möglichkeiten. Ich könnte in meinen alten Job zurückkehren; ich weiß, dass ich nach dem MBA wieder ins Ausland möchte - in welchen Bereich ich dann gehe, muss ich dann entscheiden. Möglich wäre ConsultingInvestmentbanking oder in die Industrie - festgelegt habe ich mich noch nicht. Im Studium ist auch ein Praktikum integriert und ich werde auf jeden Fall etwas ausprobieren, was ich bisher noch nicht gemacht habe.

Also ist der Traumberuf noch nicht gefunden! Hast du denn wesentliche Ziele, die du noch erreichen willst mit deinem MBA-Studium?

Ich wollte auf jeden Fall andere Perspektiven kennenlernen. Ich möchte mich mit einem Arzt aus Südamerika, einem Ingenieur aus China und einem Entwicklungshelfer aus Afrika unterhalten und deren Blickwinkel erfahren. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist das Netzwerk, das ich gerne knüpfen möchte. Mein Ziel ist ein großes, weit verzweigtes, internationales Netzwerk. Dies war auch der Grund dafür, warum ich mich nicht beim International Institute for Management Development Lausanne beworben habe: Im Jahr hat das IMD Lausanne ca. 90 Studenten und dies war mir zu klein. Zuletzt wollte ich mir auch die Aus- und Lernzeit gönnen, um so viel zu lernen wie möglich.

Vielen Dank für das ausführliche Interview.

Das Interview führte Benjamin Küster für squeaker.net (2010).

Homepage der London Business School

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Inhalt

  1. Einleitung: London Business School (LBS)
  2. MBA an der LBS: Campusleben, Finanzierung, Networking

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