Portrait eines Deloitte Consultants vor farbigem Pride-Hintergrund in Regenbogenfarben. Niclas trägt einen blauen Anzug und lächelt in die Kamera.

Pride Initiative von Deloitte

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08.11.2024
Köln
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Im Interview mit Niclas von Deloitte.

Niclas arbeitet im Bereich Identity & Access Management bei Deloitte. Neben seiner Tätigkeit als Consultant ist er fester Bestandteil der Pride Initiative. Als Teil des Kernteams verantwortet er unter anderem die Organisation der Deloitte‑Teilnahme am Christopher Street Day (CSD) in Berlin und setzt sich für die Sichtbarkeit der queeren Community und gelebte Vielfalt ein.

Als Consultant bist du beruflich viel unterwegs. Du nimmst dir aber auch die Zeit, dich für dein Herzensthema zu engagieren – die Pride Initiative bei Deloitte. Wie kam es dazu?

Mein erster Kontakt mit der Initiative war tatsächlich der Christopher Street Day in Berlin. Noch während meines ersten Jahres bei Deloitte habe ich gesehen, dass wir mit einem eigenen Truck teilnehmen. Das hat mich sofort beeindruckt. Als junger Mensch, der neu in ein großes Unternehmen kommt, sendet das ein unglaublich starkes Zeichen: Hier kann ich sein, wer ich wirklich bin.

Ich habe mich direkt für die Teilnahme angemeldet und war beim Pre‑Event dabei. Dieser Abend ist mir bis heute sehr präsent. Es war sofort klar, dass in diesem Netzwerk Menschen zusammenkommen, die etwas bewegen wollen.

Consultant von Deloitte macht ein Selfie bei einem Laufevent und zeigt mit einem Daumen nach oben in die Kamera.

Nach dem CSD bin ich Mitglied geworden und habe zunächst kleinere Aufgaben übernommen, zum Beispiel Texte fürs Intranet oder Posts für Teams zu verfassen. Schritt für Schritt bin ich tiefer in die Organisation eingestiegen, habe mehr Verantwortung übernommen und bin heute Teil des Kernteams, das das Pride‑Netzwerk über das gesamte Jahr hinweg gestaltet.

Wie haben dir deine Erfahrungen im Pride Netzwerk persönlich oder beruflich geholfen?

Die Pride Initiative hat mir den Raum gegeben, ohne Druck wachsen zu können. Besonders prägend war und ist die Arbeit rund um unsere Kommunikation. Schreibstil, Tonalität, Sprachgefühl – all das konnte ich schnell weiterentwickeln. Viele Events im Netzwerk finden auf Englisch statt, etwa Panels oder Workshops. Vor Gruppen zu sprechen war für mich früher keineswegs selbstverständlich, aber das Netzwerk hat mir ein sicheres Umfeld geboten, um genau das auszuprobieren und Selbstvertrauen zu gewinnen.

"Wenn der Truck rollt und die Energie unseres Teams und der gesamten Community um dich herum spürbar wird, dann weißt du: Für genau diesen Moment hat sich jede einzelne Stunde Vorbereitung gelohnt."

Gibt es ein Event innerhalb der Pride Initiative, das für dich eine besondere Bedeutung hat?

Ganz klar: der CSD in Berlin.

Wir arbeiten jedes Jahr rund ein halbes Jahr auf diesen Tag hin. Ab Januar beginnen die Abstimmungen zur Anmeldung, zum Design des Trucks, zur Musik, zur Koordination mit DJ, Drag Queen und Agentur. Hinzu kommen Genehmigungen, interne Kommunikation, Beiträge fürs Intranet und Social‑Media‑Materialien.

Und dann kommt dieser eine Moment am Veranstaltungstag, auf den wir alle hingearbeitet haben: Wenn der Truck rollt und die Energie unseres Teams und der gesamten Community um dich herum spürbar wird, dann weißt du: Für genau diesen Moment hat sich jede einzelne Stunde Vorbereitung gelohnt.

Ich erinnere mich besonders an den Morgen des CSD 2025. Wir kamen früh zum Truck, wo noch die letzte Deko angebracht wurde. Langsam füllte sich die Straße, die ersten von über 140 Kolleg:innen kamen an, begrüßten sich und machten Fotos. In diesem Moment hat man spüren können, was dieser Tag für viele bedeutet.

"Der CSD ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt – und genau das macht ihn so emotional."

Welche Herausforderungen und besonderen Momente erlebst du rund um den CSD?

Der Morgen des CSD ist für mich immer der schönste Moment – aber der Weg dorthin ist jedes Jahr unterschiedlich herausfordernd. Ein Beispiel: In einem früheren Jahr ist die Zugmaschine unseres Trucks am Vorabend ausgefallen. Weniger als 24 Stunden vor der Demo standen wir ohne funktionierenden LKW da.

Die Agentur hat es geschafft, über Nacht eine Ersatzmaschine zu organisieren und Teile umzubauen. Am nächsten Morgen stand der Truck tatsächlich einsatzbereit da. Solche Situationen zeigen, wie viel Zusammenhalt und Engagement hinter diesem Event stecken.

Zwischen all dem gibt es aber auch diese kleinen, sehr persönlichen Momente: Kolleg:innen, die sich gegenseitig schminken, der DJ beim Soundcheck oder Freund:innen, die am Straßenrand stehen und einem zuwinken. Der CSD ist ein echtes Gemeinschaftsprojekt – und genau das macht ihn so emotional.

"Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen hier zusammen, die sich im Arbeitsalltag sonst kaum begegnen würden."

Welche Wirkung haben Events wie der CSD intern und extern?

Intern schaffen solche Events vor allem Sichtbarkeit und Sicherheit. Gerade für junge Kolleg:innen ist es wichtig zu sehen, dass Vielfalt nicht nur kommuniziert wird, sondern sichtbar gelebt. Dass Menschen ihre Perspektiven einbringen können, ohne sich verstellen zu müssen, hat meiner Meinung nach auch direkt Einfluss auf Kreativität und Zusammenarbeit.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vernetzung. Ohne das Netzwerk hätte ich viele Menschen bei Deloitte nie kennengelernt. Eine meiner engsten Freundschaften ist hier entstanden. Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen hier zusammen, die sich im Arbeitsalltag sonst kaum begegnen würden.

Extern ist der CSD ein deutliches Zeichen. Gerade in Zeiten, in denen sich manche Unternehmen zurückziehen, war es uns wichtig, präsent zu bleiben und klar zu zeigen: Wir stehen weiterhin sichtbar für die Community und ihre Werte ein.

"Wir stehen weiterhin sichtbar für die Community und ihre Werte ein."

Welche Bedeutung haben Netzwerke wie die Pride Initiative – und was wünschst du dir für die Zukunft?

Für mich persönlich ist die Pride Initiative bei Deloitte viel mehr als ein Netzwerk. Sie ist ein Raum, in dem ich mich gesehen und unterstützt fühle, in dem ich Verantwortung übernehmen und über mich hinauswachsen kann. Ich habe dort Menschen kennengelernt, die mich inspirieren, empowern und begleiten. Und es bedeutet mir sehr viel, dass ich heute selbst etwas zurückgeben kann – sei es durch persönliche Treffen, Sichtbarkeit oder einfach durch ein offenes Ohr für Kolleg:innen, die ähnliche Wege gehen.

Für die Zukunft wünsche ich mir daher mehr ganzjährige Sichtbarkeit. Queere Themen hören nicht am Ende des Pride Month auf. Gemeinsame Initiativen können noch mehr Wirkung entfalten, die Community insgesamt stärken, Brücken schaffen und neue Kontakte knüpfen. Und vor allem wünsche ich mir, dass wir trans-, nicht-binären und weniger sichtbaren queeren Stimmen noch stärker Raum geben.

"Für die Zukunft wünsche ich mir daher mehr ganzjährige Sichtbarkeit. Queere Themen hören nicht am Ende des Pride Month auf."

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