Mehr Sichtbarkeit für Frauen im Consulting

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08.11.2024
Köln
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Im Interview mit Henrike von Deloitte.

Henrike ist Managerin und seit drei Jahren bei Deloitte in Hamburg im Bereich Finance Transformation mit Fokus auf Global Business Services tätig. Sie unterstützt internationale Kunden bei der Strategie und Implementierung von GBS-Strukturen wie Shared Service Centern. Außerdem hat sie speziell für weibliche Consultants wertvolle Tipps für mehr Sichtbarkeit.

Du hast beim Aufbau eines Shared Service Centers in Portugal mitgewirkt – was waren die größten Herausforderungen in der Implementierung und wie habt ihr sie gemeistert?

Eine große Herausforderung war, den ambitionierten Plan aus der Design-Phase wirklich in die Umsetzung zu bringen, da GBS-Projekte häufig an ein fixes Kommunikationsdatum gebunden sind und bis dahin schon sehr viel stehen muss. Dazu kamen externe Abhängigkeiten wie ein rechtzeitiger Office-Standort oder ein Recruiting-Prozess, dessen Erfolg man zwar planen, aber nicht voll vorhersehen kann. Gleichzeitig durften durch die Transition keine kritischen Finanzprozesse wie Monatsabschlüsse beeinträchtigt werden, was eine besonders sensible Steuerung nötig machte.

Gemeistert haben wir diese Punkte durch sehr sauberes Projektmanagement, starkes Stakeholder-Management und die Auswahl der richtigen Deloitte-Expert:innen. Besonders hilfreich war die Zusammenarbeit mit unseren Kolleg:innen in Portugal, die wertvolle Recruiting-Insights hatten. Dazu kamen die klassischen, aber entscheidenden PM-Themen: Kundenbedürfnisse verstehen, Risiken früh erfassen, Fortschritte regelmäßig prüfen, Probleme schnell lösen und verschiedene Backup-Pläne bereithalten – kombiniert mit ehrlicher, transparenter Kommunikation gegenüber allen, die die Veränderung direkt spüren.

SQUEAKER

Wie wichtig ist interkulturelle Kompetenz beim Aufbau internationaler Standorte – und wie hast du das konkret im Projekt in Portugal erlebt?

Interkulturelle Kompetenz ist extrem wichtig – in meinem Projekt mussten wir Prozesse aus Polen nach Portugal übertragen, während eine amerikanische Gesellschaft dahinterstand und wir als deutsche Berater:innen dazu kamen. Solche Projekte funktionieren nur, wenn man Unterschiede bewusst adressiert: durch intensives Projekt- und Change-Management, gemeinsame Workshops auf beiden Seiten und eine offene, respektvolle Kommunikation, die kulturelle Prägungen nicht ignoriert, sondern einordnet. Vielfalt ist dabei kein „Nice-to-have“ – gerade Frauen bringen in solchen Transformationen oft Perspektiven ein, die Teams sensibler und lösungsorientierter machen.

Welche Herausforderungen begegnen insbesondere Frauen deiner Meinung nach besonders häufig im Consulting – und wie gehst du persönlich damit um?

In der Beratung gibt es – wie in vielen Branchen – Strukturen und Erwartungen, die Menschen unterschiedlich betreffen und für Frauen bestimmte Herausforderungen mitbringen. Mir ist wichtig zu betonen: Frauen müssen sich nicht verändern; vielmehr braucht es männliche Allies und Führungskräfte, die unterstützen, fördern und Strukturen so gestalten, dass alle die gleichen Chancen haben.

Was ich häufiger beobachte, ist ein sehr hoher Perfektionsanspruch – ein grundsätzlich guter Antrieb, der aber bei der Menge an Arbeit manchmal hinderlich sein kann. Da hilft es, sich ehrlich zu fragen: Wie wichtig ist dieses Thema gerade wirklich – und muss es perfekt sein, oder reichen 80 %? Ein weiteres Thema ist Selbstbewusstsein: Gerade Kolleginnen machen ihre Stärken manchmal weniger sichtbar. Mir persönlich haben tiefe inhaltliche Kompetenz und viel positives Feedback geholfen – und genau dieses bestärkende Feedback versuche ich heute gezielt weiterzugeben. Tolle Arbeit geht manchmal unter, daher ermutige ich Frauen, sich aktiv den Raum zu nehmen, Ergebnisse zu präsentieren und Grenzen zu setzen – auch mit Nachdruck. Und ganz wichtig: Mentor:innen, Role Models und Sponsorship. Auf dem Weg findet man Menschen, die Awareness für das Thema haben und die eigene Sichtbarkeit aktiv unterstützen.

"Frauen müssen sich nicht verändern; vielmehr braucht es männliche Allies und Führungskräfte, die unterstützen, fördern und Strukturen so gestalten, dass alle die gleichen Chancen haben."

Das sind auf jeden Fall gute Tipps! Wie erlebst du die Förderung und Unterstützung von Frauen bei Deloitte generell? Gibt es Programme, Initiativen oder Erfahrungen, die dich besonders geprägt oder unterstützt haben?

Bei Deloitte gibt es viele Ressourcen, Programme und Formate sowie flexible Arbeitszeitmodelle – und ich erlebe eine Kultur, in der Frauen insgesamt sehr gefördert werden. Ich selbst nutze vor allem zwei Angebote: Zum einen nehme ich regelmäßig an „Ladies Lunches“ teil, einem ungezwungenen Format mit inspirierenden Präsentationen, z.B. von externen Sportlerinnen. Zum anderen wurde ich kürzlich für eine neue Initiative nominiert, in der wir in kleiner Runde unsere Stärken weiterentwickeln, uns onsite und offsite austauschen und Coaching von einem externen Anbieter erhalten – darauf freue ich mich sehr.

Insgesamt fühle ich mich als weibliche Managerin sehr geschätzt und aktiv auf meinem Karriereweg unterstützt – durch Programme, aber vor allem durch mein direktes Umfeld und meine Vorgesetzten im Arbeitsalltag.

"Ich erlebe ein sehr teamorientiertes Umfeld, in dem kollaboratives, empathisches und faires Leadership geschätzt wird."

Du hast es zwar gerade schon anklingen lassen, aber wir wollen noch einmal genau wissen, was für dich die Unternehmenskultur bei Deloitte besonders macht.

Für mich macht die Flexibilität die Kultur bei Deloitte besonders – ich kann meine Aufgaben sehr frei einteilen und integriere z. B. meinen Sport problemlos in den Arbeitsalltag. Auch größere Themen wie ein Sabbatical sind durch die Projektstruktur gut machbar.

Mit dem Klischee der Ellenbogenkultur kann ich klar aufräumen: Ich erlebe ein sehr teamorientiertes Umfeld, in dem kollaboratives, empathisches und faires Leadership geschätzt wird. Viele Eigenschaften, die früher als „typisch weiblich“ belächelt wurden, sind heute echte Leadership-Skills.

"Ich will aktiv mehr Frauen in unseren Teams sehen – und ich erwarte von Männern in Verantwortung, diesen Weg sichtbar mitzugehen."

Was würdest du jungen Frauen raten, die eine Karriere im Consulting anstreben?

Ich würde raten: Einfach machen! Bewerben, ausprobieren, anhören und testen, ob es wirklich passt. Ob Beratung etwas für dich ist, findest du erst heraus, wenn du tatsächlich in der Beratung arbeitest. Und ich glaube, es ist auf jeden Fall ein guter Schritt in der Karriere, selbst wenn man nach ein, zwei Jahren feststellt, dass es doch nicht das Richtige für einen ist. Man macht keinen Fehler und wird es später wahrscheinlich nicht bereuen, weil man unglaublich viel lernt. Inhaltlich hat man in kurzer Zeit verschiedene Kunden, Projekte und Themen gesehen – ein großer Blumenstrauß an Input. Dazu kommen Tools wie PowerPoint und Excel, in denen man sehr fit wird. Und auch an Soft Skills nimmt man viel mit, weil man immer wieder mit neuen Menschen arbeitet: Teamkompetenz, Projektmanagement, Führungskompetenz, usw. Auch das Handwerk, komplexe Sachverhalte so aufzubereiten, dass sie zum Beispiel dem Executive-Level präsentiert werden können, lernt man in der Beratung sehr gut.

Ich will aktiv mehr Frauen in unseren Teams sehen – und ich erwarte von Männern in Verantwortung, diesen Weg sichtbar mitzugehen. Wenn du also Lust auf eine internationale, dynamische und unterstützende Arbeitsumgebung hast: Wir freuen uns besonders über Bewerbungen von Frauen, die unser Finance Transformation Team bereichern. Wir freuen uns auf dich!

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