Interview: Diversity im Consulting

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Consulting for Graduates
08.11.2024
Köln
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Diversity ist viel mehr als ein Modewort – und aktuell sehr prägend für die Consultingbranche. Im Interview verrät Dr. Stephanie Wegener, die lange bei einer globalen Strategieberatung tätig war, wie es aktuell für Menschen unterschiedlicher Herkunft im Consulting läuft, wie Beratungen selbst von sozialer, kultureller und ethnischer Vielfalt profitieren und welchen Tipp sie allen Einsteiger*innen mit auf den Weg gibt.

Wie weit ist die Consultingbranche, wenn es um Diversity geht? Wie leicht ist es heute für Frauen, bis nach ganz oben aufzusteigen – und was haben offene Mindsets damit zu tun? Dr. Stephanie Wegener, Co-Autorin des Consulting Survival Guidesverschafft dir im Interview echte Insider-Einblicke. 

Stephanie, beginnen wir mit einer Begriffsklärung: Was bedeutet Diversity in der Beratung für dich?

Diversity ist ein bisschen ein Modewort. Ich würde es gerne schärfen und als Diversity und Inclusion betiteln. Es geht nämlich nicht nur darum, „Vielfalt“ im Sinne von Herkunft, Geschlecht, Weltanschauung, Behinderung etc. im Unternehmen zu haben, sondern die positiven Seiten der Vielfalt auch optimal zu nutzen.

Wie erlebst du es aktuell im Beratungsalltag? Gibt es dort auf allen Ebenen Berater*innen verschiedener Geschlechter, Herkunft, Altersgruppen etc.?

Als ich startete, war ein Team nach meinem Empfinden „divers“, wenn es eine Frau im Team gab. Dies hat sich stark geändert – jetzt ist es ganz normal, in einem Team auch einmal mehr Frauen als Männer zu haben sowie einen spannenden Mix mit verschiedenen Hintergründen von Pianistin zu Physiker zur ehemaligen Bundeswehrsoldatin. Und auch der Einstieg ist jetzt nicht nur klassisch von der WHU und der EBS – die vor einigen Jahren noch einen Großteil ausgemacht haben. Sondern das Sourcing von Universitäten ist viel breiter und auch der Quereinstieg aus der Industrie ist viel normaler geworden. Davon profitieren nicht nur die Beratungsteams, sondern letztlich auch der Kunde.

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Wenn wir besonders auf das Thema Gender gucken: Wie bewertest du die Lage für Frauen in der Beratung aktuell? Mit Blick auf Einstiegschancen, Aufstiegschancen und faire Gehälter?

Frauen haben in der Beratung die gleichen Einstiegschancen und Aufstiegschancen. Die Beratungsindustrie ist wirklich weit, was das Thema Equity betrifft. Während viele deutsche Konzerne sich noch „Null-Ziele“ bezüglich der Frauenquote setzen, haben die großen Beratungen sich schon vor Jahren ambitionierte Ziele selbstauferlegt. Nicht nur für den Einsteig, sondern auch für Leadership-Positionen etc. Und noch ein Punkt bezüglich Equity – in der Beratung verdient jeder entsprechend seines Levels, so dass man kein Gehalt verhandeln muss und alle auf einer Stufe gleich viel verdienen.

Es gibt die These, dass vor allem im Beratungs-Leadership Frauen fehlen und deshalb junge Einsteigerinnen keine Role Models zur Orientierung und Inspiration haben: Erlebst du das auch so? Und wenn ja, was ist deiner Meinung nach der Grund dafür?

Während wir beim Einstieg schon Parität bezueglich der Geschlechter erreicht haben, dauert das natürlich noch, bis sich das auch in den höheren Stufen widerspiegelt. Und auch hier wird es weiterhin die Herausforderung zwischen Kind und Karriere geben. Die Diskussion ändert sich aber aktuell, was ich sehr schön finde. Die Diskussion ist jetzt weniger „Frau mit Kind und Karriere“, sondern „Mann/Frau mit Kind und Karriere“. Die Rollenbilder müssen sich generell ändern. Das heißt, es sollte auch für einen Mann normal werden, in Elternzeit zu gehen. Und deshalb kann auch genauso ein männlicher Berater ein gutes Role Model für eine junger Beraterin sein.

Wenn wir Diversity auch als Vielfalt in Mindsets und Karrierewegen begreifen: Glaubst du, es gibt heute weniger klare und stringente Lebensläufe im Consulting? Gibt es mehr Möglichkeiten, auch mal auszubrechen, etwas Neues auszuprobieren – und dann zurückzukommen?

Diversity kann definitiv verschiedene Züge annehmen. Bei BCG haben wir mehrfach die Vorteile von vielfältigen Karrierewegen besprochen. So gibt es bei BCG beispielsweise die Möglichkeit, im Rahmen von Secondments für etwa ein Jahr zu einem Kunden oder einer Non-Profit-Organisation zu gehen. Es gibt auch Kollegen, die gründen ein Start-up und kommen dann zurück. Die Entwicklung von dem einen, gradlinigen Weg zum Partner hinzu weniger gleichförmigen Karrierewegen birgt viele Vorteile. Es lehrt andere Fähigkeiten und bringt einfach eine frische Perspektive rein. In meinen Augen sollten Beratungen dieses Angebot sogar noch mehr ausbauen, um uns auch bei Kunden glaubwürdiger zu machen.

Erlebst du Diversity auch als Thema, zu dem Unternehmen zunehmend Beratung suchen? Sind also Consultants jetzt hier als Expert*innen gefragt?

Diversity und Inclusion sind riesige Themen. Mittlerweile bringt jede größere Beratung ihren eigenen Diversity Report heraus, um Status Quo und Vorteile zu beleuchten. Das Thema ist für alle Unternehmen ziemlich brisant, nicht zuletzt getriggered durch die Themen der letzten Monate „Blacklivesmatter“ und „Frauenquote“.

Was würdest du Einsteigerinnen gerne mit auf den Weg geben, wenn sie jetzt ihre Karriere im Consulting starten – und vielleicht befürchten, als Frau noch immer benachteiligt zu sein?

Macht euch nicht klein! Zu oft beobachte ich bei jungen Kolleg*innen das sogenannte „Imposter Syndrom“ – etwas, von dem ich mich auch nicht ganz freisprechen kann. Bis in den Leadership Rollen gibt es Frauen (und Männer), die glauben, sie seien ein „Recruitingfehler“. Ihr habt eure Daseinsberechtigung und deshalb will man auch eure Meinung hören, die sehr wertvoll ist. Was für mich sehr hilfreich am Anfang war, ist eine starke Gemeinschaft von Neueinsteigern – sowohl Männer als Frauen. Alle gehen durch sehr ähnliche Herausforderungen und der gemeinsame Austausch hilft. Wie mein Papa so schön sagt: „Letztlich kochen alle nur mit Wasser“. Den Spruch hat er mir übrigens auch für meine neue Rolle noch einmal mitgegeben.

Dr-Stephanie-Wegener

Dr. Stephanie Wegener war von 2011 bis 2021 in einer globalen Strategieberatung tätig. Seit Februar 2021 ist sie VP Strategie in einem britischen Telco Unternehmen. In dieser Rolle kann sie ihre Leidenschaften Strategie und People bestens verknüpfen. Ihre Beratungserfahrung umfasst Strategieentwicklung und -implementierung sowie das Management von großen Transformationsprogrammen im privaten und öffentlichen Sektor. Zuvor hat sie ein duales Bachelorstudium bei einem Dax-Unternehmen und anschließend ihren Master (Sc.) in Internationalem Management an der WU Wien und ESADE Barcelona (CEMS) gemacht. In ihrer Promotion an der Uni Passau untersuchte sie die Auswirkung der Persönlichkeit von Vorständen auf Unternehmen.

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