Wer im Consulting durchstarten will, muss viel leisten – wie bleibt dabei die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz erhalten? Auch wenn Mental Health ein Trendthema ist und viele Arbeitgeber wie BCG und Deloitte gezielte Schritte unternehmen, um Stress zu reduzieren: Damit deine mentale Gesundheit stark bleibt, kannst du selbst einiges tun.
Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz – im Überblick
- Arbeitgeber in Deutschland sind per Gesetz verpflichtet, die psychische Gesundheit im Blick zu haben und zu fördern.
- Psychische Erkrankungen führen im Vergleich zu den längsten Fehlzeiten und wirken sich negativ auf die Produktivität eines Unternehmens aus.
- Unternehmen und Beschäftigte können viel tun, um die mentale Gesundheit zu fördern.
- Auch im Consulting bewegt sich viel: Beratungen entwickeln gezielte Aktionen, um die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern.
Was bedeutet psychische Gesundheit am Arbeitsplatz?
Das bisschen Stress gehört dazu? Ja, es gibt Phasen im Job, die anstrengend sind. Im Consulting kommt es häufig zu Projektphasen, in denen alle Beteiligten volle Leistung erbringen müssen. Das ist auch okay – wenn sich der Stress nicht in einer psychischen Erkrankung niederschlägt. Leidet die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz stark, kann sich das in Depressionen, Angststörungen oder einem Burn-out zeigen. Auch Schlafstörungen, ein permanentes Gefühl der Anspannung, anhaltende Erschöpfung und Reizbarkeit sind erste Anzeichen, dass die mentale Gesundheit in Gefahr ist.
Wer hingegen psychisch gesund ist, kann am Arbeitsplatz leistungsfähig sein – und gleichzeitig nach Feierabend abschalten. In besonders stressigen Phasen gibt es Methoden und Techniken, die bei der Entspannung helfen und der Stress bleibt klar im Bereich der Arbeit verankert, das Privatleben ist nicht (oder kaum) betroffen.
Warum ist psychische Gesundheit am Arbeitsplatz so wichtig?
Wer Mental Health für ein Wohlfühlthema hält, liegt damit falsch. Denn Studien zeigen: Psychische Erkrankungen sorgen für häufige und lange Fehlzeiten – was sich auf die Produktivität und den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens auswirkt. Der Fehlzeiten-Report 2024 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) untersuchte die Fehlzeiten von Personen, die bei der AOK versichert sind. Das Ergebnis: 2023 waren psychische Erkrankungen die dritthäufigste Krankmeldungsursache. Hier sind die Fehlzeiten länger als bei allen anderen Arten der Erkrankung: Im Schnitt meldeten sich Beschäftige 28,1 Tage pro Fall krank.
Auch bei der Frage, wie lange jemand im Alter arbeitet, spielt psychische Gesundheit eine Rolle: Der Untersuchung zufolge hatten 2023 42 von 100 Fällen der Erwerbsminderungsrente ihre Ursache in psychischen Erkrankungen. Das zeigt: Wer als Arbeitgeber ein produktives Unternehmen sein möchte, in dem die Beschäftigen dauerhaft volle Leistungen erbringen, der muss die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz im Blick haben. Das gilt in allen Branchen und ganz besonders im Consulting. Denn hier ist der Druck oft hoch, die Arbeitszeiten häufig lang, hinzu kommen viele Reisen und wechselnde Projekte – alles Faktoren, die die mentale Gesundheit auf den Prüfstand stellen können.
Ursachen für psychische Erkrankungen im Job
Jeder Mensch geht unterschiedlich mit Belastungen im Beruf um. Doch es gibt einige Faktoren, die ein Risiko für die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz darstellen. Dazu gehören Studien zufolge:
- Hohe Anforderungen in oft knapper Zeit
- Geringe Entscheidungsspielräume
- Monotone Tätigkeiten
- Viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig
- Fehlendes Gemeinschaftsgefühl
- Starre Gestaltung der Arbeitszeit
- Mangelnde Führung
- Häufige Konflikte unter Kolleg:innen
- Fehlende Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben
Das sind Faktoren, die das Arbeitsumfeld vorgibt – und laut einer Übersichtsstudie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gibt es klare Hinweise darauf, dass solche Bedingungen die Entstehung psychischer Erkrankungen beeinflussen. Das schreibt das Bundesministerium für Gesundheit.
Daneben gibt es individuelle Faktoren, die ein Risiko für die eigene psychische Gesundheit im Beruf darstellen:
- Perfektionismus und überhöhte Ansprüche an sich selbst
- Fehlende Fähigkeit, Grenzen zu setzen
- Keine Hilfe annehmen können/wollen
- Ignoranz der eigenen Grenzen und Bedürfnisse
- Das Bedürfnis, es allen recht machen zu wollen
Wie steht es um psychische Gesundheit im Consulting?
Ob eine Person die eigene psychische Gesundheit priorisiert oder zugunsten des Jobs eine Erkrankung riskiert, hängt von der eigenen Persönlichkeit ab – und es kann über alle Branchen hinweg passieren. Welche Ursachen für psychische Erkrankungen treten im Consulting besonders häufig auf? Spezielle Studien dazu gibt es nicht, allerdings tragen die hohen Ansprüche, eine noch oft gelebte „Up or out“-Kultur und häufiges Reisen – das mit Jetlag und wenig Schlaf einhergehen kann – oft zur psychischen Belastung bei.
Heinrich Rusche war selbst Berater, unter anderem bei McKinsey und Accenture, heute gibt er Einsteiger:innen über Social Media Tipps für den Karrierestart. Er macht in einem YouTube-Video diese drei größten Stressfaktoren im Consulting aus: Negative Kritik („Dein Chef sagt dir, dass deine Arbeit nicht gut genug ist“), Imposter Syndrome (das Gefühl, die eigene Kompetenz nur vorzutäuschen und damit irgendwann aufzufliegen) und das Gefühl, von der Arbeit überfordert zu sein – es gibt zu viele Dinge, die man nicht bewältigen kann, was auch oft mit Schlafmangel einhergeht.
Klar ist also: Die Consultingbranche mit tendenziell anspruchsvollen Projekten und steilen Lernkurven ist gerade für Einsteiger:innen ein Umfeld, in dem die eigenen Grenzen oft ignoriert werden, um eine hohe Performance zu zeigen. Doch um dauerhaft produktiv zu sein, ist es wichtig, die mentale Gesundheit im Blick zu haben – das gilt für Consultants genau wie für Arbeitgeber.
Woran erkennst du, dass die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz leidet?
Psychische Erkrankungen beginnen nicht damit, dass du direkt wochenlang ausfällst. Es gibt viele kleine Anzeichen, die früh beginnen und die du ernst nehmen solltest, um deine psychische Gesundheit zu fördern. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse fühlen sich 42 Prozent der Beschäftigten durch den Job abgearbeitet und verbraucht. 24 Prozent schaffen es nicht einmal im Urlaub, richtig abzuschalten – was ein erstes Alarmsignal sein sollte, und zeigt, wie weit verbreitet die Belastung durch die Arbeit ist.
Weitere Warnzeichen, die auftreten:
- Schlafmangel und Schlafstörungen
- Anhaltende Erschöpfung (trotz Erholungsphasen)
- Reizbarkeit
- Konzentrationsprobleme
- Vermehrter Konsum von Alkohol oder Drogen
- Körperliche Beschwerden ohne erkennbare Ursache, z.B. Kopfschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Rückenschmerzen
- Rückzug vom sozialen Umfeld
All diese Faktoren können darauf hindeuten, dass die psychische Gesundheit durch den Arbeitsplatz in Gefahr ist. Wer diese Symptome bei sich oder einer nahestehenden Person bemerkt, sollte sich Hilfe holen oder Maßnahmen ergreifen, um die mentale Gesundheit zu fördern. Dazu zählen laut dem Bundesministerium für Gesundheit: Bewegung und gesunde Ernährung, Entspannungsmethoden wie Meditation, Atemübungen und Yoga, ausreichend Schlaf, regelmäßige Pausen, das Pflegen sozialer Kontakte. Ist die Ursache für die psychische Belastung eindeutig in den Arbeitsumständen zu sehen, sollte man hier aktiv werden und zum Beispiel das Gespräch mit einer Führungskraft suchen, um die Arbeit weniger belastend zu gestalten.
Wie können Arbeitgeber die psychische Gesundheit fördern?
Für Arbeitgeber ist es mehr als ein „Nice to have“, die mentale Gesundheit ihrer Beschäftigten am Arbeitsplatz im Blick zu haben – es ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. Laut § 5 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) müssen Unternehmen eine psychische Gefährdungsbeurteilung durchführen, bei der es unter anderem um die Analyse von Arbeitsabläufen, die Arbeitsumgebung, soziale Interaktionen und die Identifizierung potenzieller Stressfaktoren geht. Werden hierbei Probleme festgestellt, müssen sie behoben werden, um die mentale Gesundheit der Beschäftigten zu fördern.
Was Arbeitgeber darüber hinaus tun können:
- Mental-Health-Angebote aufsetzen: (Virtuelle) Coachings zum Thema, Vermittlung von Entspannungstechniken, Unterstützung in schwierigen Lebensphasen etc.
- Offene Kommunikation fördern: Wird gerade in Branchen mit hohem Workload transparent über mentale Herausforderungen gesprochen, macht es das den Betroffenen leichter, Grenzen zu setzen.
- Schulungen zu Mental Health: Woran erkennt man psychische Belastung, was sind erste Warnzeichen? Gezielte Veranstaltungen und Kampagnen können aufklären.
- Gesunde Führungskultur: Führungskräfte sollten Bedürfnisse der Mitarbeiter:innen erkennen und auf sie eingehen, soweit es möglich ist. Bei Überbelastung sollte Abhilfe geschaffen werden.
- Team-Zusammenarbeit stärken: Je mehr Konflikte es im Team gibt, desto höher der psychische Druck. Teambuilding kann hier helfen.
- Bewegung fördern: Gemeinsame Sportevents oder Vergünstigungen im Fitness-Studio sorgen dafür, dass sich Beschäftigte mehr bewegen und dadurch Stress abbauen.
- Vereinbarkeit stärken: Wenn die Work-Life-Balance stimmt, stärkt das die mentale Gesundheit.
- Suchtprävention betreiben: Da häufiger Alkohol- und Drogenkonsum durch zu viel Stress verursacht werden kann, können Arbeitgeber hier an der Prävention ansetzen.
- Workload reduzieren, wenn möglich: Gerade in Branchen wie im Consulting gilt eine hohe Arbeitsbelastung als Standard, Stress gehört oft zum Tagesgeschäft. Wer vorlebt, dass es auch anders geht, betreibt aktive Prävention gegen psychische Erkrankungen.
Was tut die Consulting-Branche, um psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern?
Auch wenn individuelle Performance im Consulting ein zentraler Faktor ist und bleibt: Die Beratungen geben viel dafür, um die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern. So schreibt Bain & Company auf der Website: „Neben kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen stellen wir vielseitige Angebote zur mentalen Gesundheitsförderung bereit, wie bspw. Therapiestunden, Coaching und vieles mehr.“ Roland Berger geht auf der eigenen Website deutlich auf das Thema Work-Life-Balance ein: „Wir unterstützen unsere Berater:innen dabei, die richtige Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden und sind überzeugt, dass eine ausgewogene Arbeitskultur auf Vertrauen, Empathie und Respekt basiert.“ Auch ein Sabbatical oder flexiblere Arbeitszeiten sind ausdrücklich möglich, um die beruflichen Ansprüche mit dem Privatleben in Einklang zu bringen.
Deloitte ist Mitbegründer des „Global Business Collaboration for Better Workplace Mental Health Pledge“ zur Förderung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz. Und in einem Interview für SQUEAKER spricht Dr. Hans-Joachim Grabow (59, Senior Advisor bei Struktur Management Partner) deutlich über den Druck in der Branche: „Das Leben ist zu wertvoll und zu kurz, um es in einem Umfeld von negativem Stress zu verbringen. Ja, Diamanten benötigen für ihre Entstehung auch Druck. Doch wir laden ihn inzwischen positiv auf. Das ist für alle Beteiligten wertvoller und effektiver.“
Es zeigt sich also ein Umdenken in der Branche – hin zu einer Arbeitswelt, in der hohe Leistung und mentale Gesundheit gleichzeitig möglich sind.
Die mentale Gesundheit leidet – wir sollten sie schützen
Die Studien und Erfahrungen aus der Praxis zeigen also: Die Anforderungen durch den Job werden von vielen Beschäftigten als extrem hoch empfunden, worunter die psychische Gesundheit leidet. Das erkennen zum Glück viele Arbeitgeber – auch im Consulting – und sie steuern bewusst gegen. Denn klar ist: Leidet die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz, wirkt sich das nicht nur auf die Betroffenen, sondern auch auf das ganze Unternehmen negativ aus.
Jenny ist Senior Content Marketing Managerin und entwickelt seit der Gründung von SQUEAKER Inhalte, die Talente und Beratungen zusammenbringen, Transparenz schaffen und authentische Einblicke ermöglichen. Ihr Fokus: Themen so aufbereiten, dass Kandidat:innen echten Mehrwert erhalten und fundierte Karriereentscheidungen treffen.





