Mutter arbeitet im Homeoffice am Laptop, während Vater und Kind im Hintergrund auf dem Sofa sitzen – Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Consulting

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Geht das im Consulting?

Find your best Match
Consulting for Graduates
08.11.2024
Köln
Anmelden und Top-Beratungen kennenlernen!

Als Unternehmensberater:in durchstarten und gleichzeitig Kinder großziehen – wie passt das zusammen? Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist auch im Consulting ein großes Thema, Beratungen wie McKinsey oder Roland Berger sprechen viel darüber, wie Vereinbarkeit bei ihnen gelebt wird. Klar ist: Gerade im Consulting mit hohen Arbeitszeiten, Reisetätigkeit und Leistungsdruck stellt sich die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders deutlich. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass flexible Arbeitsmodelle, Elternzeitregelungen und Teilzeit-Optionen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Was du über Vereinbarkeit im Consulting wissen musst: Hier gibt es den Überblick.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf – im Überblick:

Karriere machen und gleichzeitig Kinder großziehen: Viele Eltern stellt das vor Probleme – trotz aller Initiativen.

  • Rechtliche Rahmenbedingungen sollen die Vereinbarkeit fördern, zum Beispiel durch Elternzeit, Elterngeld und das Recht auf Teilzeit.
  • Im Consulting gibt es viele Initiativen und Netzwerke, um Eltern in anspruchsvollen Rollen zu fördern.
  • Auch Familien selbst können viel tun, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, doch es bleibt ein ständiger Balanceakt.

Wie steht es aktuell um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Vereinbarkeit ist ein Thema, das Eltern betrifft – deshalb ist zum Start die Frage wichtig, wie viele Familien mit erwerbstätigen Eltern es überhaupt gibt. Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Im Jahr 2024 waren 65,6 Prozent aller Eltern mit Kindern unter sechs Jahren aktiv erwerbstätig. Von den Vätern arbeiteten dabei 91,3 Prozent in Vollzeit, bei den Frauen ist das Bild anders: 25,6 Prozent der Mütter arbeiteten in Vollzeit, 74,4 Prozent in Teilzeit.

Der Sozialbericht von der Bundeszentrale für politische Bildung von 2024 zeigt, dass es 7,2 Millionen Mütter und 6,2 Millionen Väter im erwerbstätigen Alter gibt – es ist also eine riesige Gruppe von Menschen, für die die Frage, wie es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steht, für das eigene Leben entscheidend ist. Einer Forsa-Studie aus dem Jahr 2025 zufolge fühlen sich 44 Prozent der Mütter und 42 Prozent der Väter von ihren Arbeitgebern gut unterstützt, wenn es darum geht, Familie und Job in Balance zu bringen. (Das bedeutet auch: Für mehr als die Hälfte gilt das nicht.) Für Unternehmen ist Vereinbarkeit ein zentrales Thema – auch aus wirtschaftlichen Gründen: 77 Prozent der Arbeitgeber setzen auf eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen.

Trotz dieser teils vielversprechenden Zahlen ist klar: Wer im Job eine gute Performance zeigen und gleichzeitig für die (noch kleinen) Kinder da sein will, stößt oft an die eigenen Grenzen. Das liegt zum Teil an den Rahmenbedingungen im Job, zum Teil an der häufig instabilen Betreuungssituation für Kinder. Deshalb blicken wir in diesem Text später darauf, wie Familien und Arbeitgeber die Vereinbarkeit weiter fördern können.

…und was ist mit Vereinbarkeit im Consulting?

Wenn es um Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, müssen wir noch immer deutlich die Perspektiven von Männern und Frauen unterscheiden. Denn klar ist: In vielen Branchen und auch im Consulting sind die Führungsetagen noch männlich geprägt – auch wenn viele Beratungen Initiativen starten, um das zu ändern. Das zeigt sich auch in unserem Beitrag zu Female Leadership im Consulting: Einer Mitgliederbefragung des MTP e.V. zufolge wünschen sich Frauen die gleiche Bezahlung wie männliche Kollegen – und eine bessere Vereinbarkeit von Karriere und Privatleben. Gerade, wenn sich die eigene Lebenssituation durch das erste Kind ändert.

Was tun Beratungshäuser, um diesem Wunsch nachzukommen? Zumindest auf ihren Karriere-Websites sprechen sie viel darüber, dass Vereinbarkeit in ihrem Unternehmen gelebt wird. „Passend zu deiner Lebenssituation bieten wir verschiedenen Arbeitszeitmodelle, berufliche Abwechslung und Unterstützung für die Familie an“, heißt es bei McKinsey. „Vollzeit oder Teilzeit? Wir stellen unseren Kolleg:innen frei, welches Arbeitsmodell am besten zu ihrer aktuellen Situation passt. Dein persönlich gewähltes Arbeitszeitmodell kann flexibel je nach Lebensphase angepasst werden.“

Deloitte hat gleich zwei interne Netzwerke gestartet, um Vereinbarkeit zu fördern: Das „Working Parents Network“ und „Dads @ Deloitte“, auf der Website gibt es zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch Beispiele von Müttern und Frauen, die zeigen, wie es bei ihnen läuft. 

Und Roland Berger setzt mit der Initiative „families@RolandBerger” darauf, gezielt Berater:innen mit Kindern zu unterstützen. Mit der Community wird eine Plattform für Austausch und gegenseitige Unterstützung geboten. „Beratung ist intensiv, das wissen wir. Gleichermaßen müssen intensive Projektarbeit und persönliche Lebensmodelle kein Widerspruch sein, sondern gemeinsam gedacht werden”, heißt es von Roland Berger. „Deshalb suchen wir mit unseren Berater:innen nach individuellen Lösungen, die langfristige Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit ermöglichen, wie zum Beispiel durch flexible Arbeitszeitmodelle.“

Auch bei BearingPoint ist Vereinbarkeit ein großes Thema, im SQUEAKER-Interview hat Partnerin Christina verraten, wie sie den anspruchsvollen Job mit drei eigenen Kindern verbindet: „Bei BearingPoint ist die Vereinbarkeit von Karriere und Familie möglich, gleichzeitig fühle ich mich als berufstätige Frau und Mutter von drei Kindern fortwährend fachlich und persönlich gefordert und gefördert – das war für mich persönlich besonders wichtig.“

Du wünscht dir mehr Einblicke, wie Vereinbarkeit im Beratungsalltag wirklich läuft? In den SQUEAKER-Erfahrungsberichten erfährst du direkt von jungen Consultants, wie sie die Arbeit bei welcher Beratung erleben.

Wie ist die rechtliche Grundlage zu Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Vereinbarkeit fördern: Das ist nicht nur eine Maßnahme von Unternehmen, um Mitarbeiter:innen an sich zu binden – vieles basiert auch auf einer rechtlichen Grundlage. In Deutschland gibt es verschiedene Elemente, die berufstätige Eltern unterstützen: So können alle Arbeitnehmer:innen pro Kind bis zu drei Jahre Elternzeit nehmen – ihre Arbeitgeber müssen sie in dieser Zeit freistellen. Es wird kein Gehalt gezahlt, gleichzeitig sind Arbeitnehmer:innen in Elternzeit in besonderer Weise vor Kündigungen geschützt.

Eng damit verbunden ist das Elterngeld, das der Staat zahlt: Es unterstützt Eltern nach der Geburt des Kindes dabei, die finanzielle Lebensgrundlage zu sichern und richtet sich nach dem Einkommen, das die Eltern vor der Geburt des Kindes hatten. Dabei gibt es verschiedene Modelle: Basis-Elterngeld, Elterngeld Plus und den Partnerschaftsbonus, sodass jede Familie die Variante wählen kann, die für sie individuell die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördert. Alle Details zu den einzelnen Optionen gibt es auf dem Familienportal des zuständigen Bundesministeriums

Auch der Wiedereinstieg in den Job ist für viele Eltern ein wichtiges Thema – und auch hier gibt es Initiativen der Bundesregierung, um Mütter und Väter zu unterstützen, die als Eltern weiterhin im Job erfolgreich sein sollen. Hierzu zählt der rechtliche Anspruch auf Teilzeit und das Programm „Erfolgsfaktor Familie“, das das Familienministerium zusammen mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft, Gewerkschaften und großen Stiftungen gegründet hat, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern. Mehr als 8000 Arbeitgeber sind im zugehörigen Netzwerk bereits Mitglied.

Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

So gut das auf dem Papier und auf den Karrierewebsites der Arbeitgeber klingt: Im Arbeitsalltag stoßen viele erwerbstätige Mütter und Väter oft an ihre Grenzen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf macht Probleme. Vor allem in Branchen, in denen eine hohe Performance erwartet wird – wie im Consulting. Eine Studie, die 2025 vom Bundesverband Vereinbarkeit durchgeführt wurde, zeigt unter anderem: Die Belastung durch die Kombination von Erwerbs- und Care-Arbeit ist groß. 51 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer geben an, sich stark mental oder emotional belastet zu fühlen. Eine weitere Studie von 2023, die vom Familienministerium gefördert wurde, belegte, dass der zeitliche Balanceakt zwischen Familie und Beruf noch immer einer der größten Stressfaktoren für Familien in Deutschland ist. Obwohl 91 Prozent der Befragten es für wichtig halten, dass sich die Betreuungszeiten ihrer Kinder gut mit dem Beruf vereinbaren lassen, erleben nur 37 Prozent, dass dies sehr gut oder eher gut verwirklicht wird.

Die größten Hindernisse für die gelungene Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind dabei diese:

  • Zu wenig Kinderbetreuungsplätze: Pädagogisches Personal ist oft knapp, Betreuungszeiten werden eingeschränkt, Kitas haben lange Wartelisten – oder es handelt sich um private Einrichtungen, die hohe Kosten mit sich bringen. Ähnlich sieht es in der Nachmittagsbetreuung von Schulkindern aus, wo es häufig zu Personalengpässen und Ausfällen kommt. Das bedeutet meistens: Eltern, die gerade mitten im Job stecken, müssen die Kinder abholen und ihre Arbeit unterbrechen.
  • Unflexible Strukturen am Arbeitsplatz: Viele Beschäftigte erleben die Unterstützung durch ihre Arbeitgeber noch immer als mangelhaft. So sind oft die Arbeitszeiten starr festgelegt, die Anwesenheitszeiten im Büro hoch und es gibt kein funktionierendes System, nach dem sich die Mitarbeiter:innen gegenseitig vertreten können.
  • Berufliche Nachteile von Eltern: Wer einmal in der Schublade der Teilzeit-Mutter (oder seltener: des Teilzeit-Vaters) steckt, kommt hier nur schwer wieder heraus. Wichtige Meetings finden am späten Nachmittag statt, bei Projekten werden bevorzugt Kolleg:innen in Vollzeit eingesetzt, bei Beförderungen sind zunächst die Mitarbeitenden dran, die nicht regelmäßig ausfallen, um kranke Kinder zu betreuen. Das ist noch immer gelebte – wenn auch unausgesprochene   – Praxis.

Und natürlich stellen auch die finanziellen Einbußen einen großen Belastungsfaktor dar: Wer weniger arbeitet, verdient weniger. Gleichzeitig fallen für Kinder und ihre Betreuung hohe Kosten an. Das sorgt für Stress – und für das Gefühl, Familie und Beruf nicht erfolgreich kombinieren zu können.

Was tun Arbeitgeber, um Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern?

Um der funktionierenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf näher zu kommen, sind Maßnahmen von Arbeitgebern gefragt.

Diese Faktoren sind dabei besonders häufig und wirksam:

  • Arbeiten in Gleitzeit oder auf Basis von Vertrauensarbeitszeit
  • Teilzeitmodelle – auch vollzeitnahe Teilzeit
  • Jobsharing (auch auf C-Level)
  • Flexible Möglichkeiten zur Arbeit im Home-Office
  • Betriebs-Kitas oder Kooperationen mit öffentlichen Kitas
  • Eltern-Kind-Büros für Tage ohne Kinderbetreuung
  • Finanzielle Unterstützung für (private) Kinderbetreuung
  • Führungskräfte in Vorbildrollen (die selbst Vereinbarkeit leben)
  • Förderung von Elternzeit auch bei Vätern

Gleichzeitig können Programme, die die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz stärken, auch zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf führen. Denn wer Methoden beherrscht, um auch in stressigen Situationen mental stark zu bleiben, ist den häufigen Herausforderungen bei der Kombination von Beruf und Familienleben besser gewachsen.

Und was können Familien selbst für eine bessere Vereinbarkeit tun?

Ja, die rechtlichen Rahmenbedingungen und die Arbeitsumgebung müssen stimmen, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf funktioniert. Doch es gibt auch Maßnahmen, die Eltern selbst ergreifen können, um den Balanceakt zu schaffen. Dazu zählt:

  • Care-Arbeit zwischen den Eltern bewusst und möglichst fair aufteilen – dazu gibt es Online-Tools und digitale Live-Sessions, die helfen.
  • Transparente Kommunikation mit dem Arbeitgeber, wenn es Probleme gibt.
  • Um Hilfe bitten und sie annehmen, zum Beispiel durch Großeltern oder Babysitter.
  • Das eigene Modell an die jeweilige Phase anpassen – zum Beispiel weniger arbeiten, wenn die Kinder ganz klein sind, um später wieder durchzustarten.
  • Im Unternehmen Initiativen und Netzwerke nutzen oder sie selbst starten.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Ein Balanceakt mit vielen Chancen

Klar ist also: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist vor allem für Frauen noch immer eine große Herausforderung und ein ständiger Balanceakt – und auch Männer, die gleichzeitig Karriere machen und für ihre Kinder da sein wollen, stoßen an ihre Grenzen. Das gilt im Consulting genau wie in anderen Branchen. Doch es gibt eine Entwicklung, es gibt Maßnahmen und Netzwerke, um Eltern auch in anspruchsvollen Jobs zu fördern – und je mehr Role Models vorleben, wie Vereinbarkeit gelingen kann, umso mehr bewegt sich.

Picture of Über die Autorin Jennifer Kiepe
Über die Autorin Jennifer Kiepe

Jenny ist Senior Content Marketing Managerin und entwickelt seit der Gründung von SQUEAKER Inhalte, die Talente und Beratungen zusammenbringen, Transparenz schaffen und authentische Einblicke ermöglichen. Ihr Fokus: Themen so aufbereiten, dass Kandidat:innen echten Mehrwert erhalten und fundierte Karriereentscheidungen treffen.

Aktuelles aus unserem Magazin:
Interview
Unterschiedliche Perspektiven, mehr Impact im Consulting

Empathie, Klarheit und der Anspruch, Menschen mitzunehmen – was erfolgreiche Beratung ausmacht, zeigen Anne, Shalini und Lisa von RWE Consulting. Sie geben Einblicke in ihren Arbeitsalltag, sprechen über Zusammenarbeit in Projektteams und teilen ihre Erfahrungen aus dem RWE Global Women’s Network.

JETZT LESEN »
Interview
Mehr Sichtbarkeit für Frauen im Consulting

Henrike ist Managerin und seit drei Jahren bei Deloitte in Hamburg im Bereich Finance Transformation mit Fokus auf Global Business Services tätig. Sie unterstützt internationale Kunden bei der Strategie und Implementierung von GBS-Strukturen wie Shared Service Centern. Außerdem hat sie speziell für weibliche Consultants wertvolle Tipps für mehr Sichtbarkeit.

JETZT LESEN »
Wie können wir helfen?
kalender_v2

Diese Events darfst du nicht verpassen!

Lerne Berater:innen persönlich kennen und starte deinen Weg ins Consulting.