Leonie Westerburg, Senior Managerin bei Consistency, lächelt in heller Bluse vor einem rosa-hellblauen Hintergrund.

Den eigenen Weg gehen: Consistency über Frauen im Consulting

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Consulting for Graduates
08.11.2024
Köln
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Im Interview mit Leonie Westerburg von Consistency.

Leonie ist seit 2019 in der Managementberatung tätig und heute Senior Managerin und Transformation Practice Lead bei Consistency. Ihr Fokus liegt auf digitaler Transformation, digitalen Geschäftsmodellen sowie Organisationsentwicklung und Change Management. Als „C-Fluencerin“ ist sie außerdem eine der LinkedIn Voices von Consistency und Teil des Leadership Teams.

Ihr Weg in die Beratung begann bereits während ihres Studiums: Nach ihrem Bachelor in International Business an der FAU Erlangen-Nürnberg und ihrem BWL-Master an der LMU München sammelte sie durch zahlreiche Praktika im In- und Ausland erste Einblicke in die Industrie und verschiedene Beratungen.

Wie verändert sich Führung durch mehr Diversität und welche Vorteile bringt das mit sich?

Mehr Diversität verändert Führung vor allem deshalb, weil Entscheidungen aus unterschiedlichen Perspektiven geprüft werden. Gerade in Transformationsprojekten ist das ein konkreter Vorteil: Wenn Menschen mit verschiedenen Erfahrungen, fachlichen Hintergründen und Arbeitsweisen gemeinsam auf ein Problem schauen, werden Risiken früher sichtbar und Lösungen tragfähiger. Für mich bedeutet moderne Führung deshalb nicht, immer die lauteste oder schnellste Antwort zu geben, sondern unterschiedliche Sichtweisen aktiv einzubeziehen und anschließend Klarheit zu schaffen. Das gilt für Geschlecht genauso wie für Berufserfahrung, kulturellen Hintergrund oder fachliche Perspektive.

In der Beratung erleben wir immer wieder, dass Veränderung dann gelingt, wenn Menschen nicht nur ein Konzept erhalten, sondern ihre Sicht einbringen und Verantwortung übernehmen können.

Porträt von Leonie Westerburg, Senior Managerin bei Consistency, vor einer Berliner Straßenszene mit Fernsehturm im Hintergrund.

Welche Herausforderungen erleben Frauen beim Berufseinstieg und wie geht ihr als Unternehmen damit um?

Viele Frauen erleben beim Berufseinstieg nicht unbedingt eine einzelne große Hürde, sondern eine Reihe kleinerer Unsicherheiten: Wie sichtbar darf ich sein? Wie selbstbewusst muss ich auftreten? Wann sollte ich meine Karriereziele ansprechen?

Gerade in der Beratung können außerdem stereotype Vorstellungen über Verfügbarkeit, Durchsetzungsfähigkeit oder den passenden Führungsstil eine Rolle spielen. Wir versuchen bei Consistency, dem mit einem direkten und fairen Austausch, klaren Erwartungen und regelmäßigem Feedback zu begegnen. Wichtig ist auch, Nachwuchskräfte früh in echte Verantwortung zu bringen und ihnen Ansprechpartner:innen zu geben, die nicht nur Ergebnisse bewerten, sondern Entwicklung begleiten. Ein konkretes Beispiel ist, Feedback nicht erst am Ende eines Projekts zu geben, sondern bereits nach wichtigen Gesprächen, Workshops oder Meilensteinen gemeinsam zu reflektieren, was gut funktioniert hat und was die Person beim nächsten Mal anders machen kann.

"Ich würde Frauen raten, nicht darauf zu warten, bis sie sich für jeden Schritt vollständig bereit fühlen."

Was würdest du Frauen mit auf den Weg geben, die ins Consulting einsteigen möchten?

Ich würde Frauen raten, nicht darauf zu warten, bis sie sich für jeden Schritt vollständig bereit fühlen. Beratung ist ein Beruf, in dem man sehr viel lernt, indem man sich auf neue Themen, Kundensituationen und Verantwortung einlässt. Gleichzeitig sollte man die eigenen Ziele und Grenzen früh und klar ansprechen. Wer zum Beispiel gerne Verantwortung für ein Teilprojekt übernehmen oder sich in einem bestimmten Themenfeld entwickeln möchte, sollte das nicht als Anspruch, sondern als konkreten Entwicklungswunsch formulieren. Ebenso wichtig ist, sich gute Sparringspartner:innen zu suchen und Feedback aktiv einzuholen.

Im Consulting zählt nicht, auf jede Frage sofort eine perfekte Antwort zu haben. Entscheidend sind strukturiertes Denken, Lernbereitschaft, Verlässlichkeit und die Fähigkeit, gemeinsam mit anderen eine gute Lösung zu entwickeln. Authentizität ist dabei kein Gegensatz zu Professionalität.

Welche Programme oder Events bietet ihr speziell für Frauen an z. B. Netzwerke, Mentoring, Trainings?

Wir haben bei Consistency kein separates Programm, das Karrierechancen ausschließlich an Frauen richtet. Unser Anspruch ist, allen Mitarbeitenden vergleichbare Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen und individuelle Entwicklung im Arbeitsalltag ernst zu nehmen. Dazu gehören der Austausch mit erfahrenen Kolleg:innen, regelmäßiges Feedback, Trainings und Coaching sowie die Möglichkeit, Verantwortung in Kundenprojekten zu übernehmen. Als Partner von SQUEAKER möchten wir außerdem früh mit Studierenden und Berufseinsteiger:innen ins Gespräch kommen und einen realistischen Einblick in die Beratung geben. Für Frauen kann ein solches Gespräch besonders wertvoll sein, wenn sie konkrete Fragen zu Arbeitsalltag, Entwicklung und Führung stellen können.

Ich halte es für wichtig, Frauenförderung nicht nur an einem einzelnen Event festzumachen: Entscheidend ist, wie fair Staffing, Feedback, Sichtbarkeit und Entwicklungschancen im täglichen Miteinander tatsächlich gestaltet werden.

"Gute Führung sollte nicht an Geschlechterklischees, sondern an ihrer Wirkung gemessen werden."

Mit welchen Ansätzen gewinnt ihr gezielt mehr Frauen für die Beratung?

Der wichtigste Ansatz ist für uns, Beratung nicht als abstrakten Karrierebegriff zu präsentieren, sondern den tatsächlichen Arbeitsalltag transparent zu machen. Interessierte sollten wissen, woran sie arbeiten, mit wem sie zusammenarbeiten und welche Verantwortung sie Schritt für Schritt übernehmen können. Dazu gehört für uns auch, neue Modelle für Flexibilität nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern praktisch zu erproben. Aktuell arbeiten wir mit zwei Kolleginnen, die Mütter geworden sind und ihre Beratungstätigkeit weiterführen möchten – einschließlich der Bereitschaft, auch weiterhin auf anspruchsvollen Projekten und, wo es sinnvoll und möglich ist, mit Reiseanteilen zu arbeiten. Gemeinsam testen wir unterschiedliche Flexibilitätsangebote und suchen nach Lösungen, die den jeweiligen Lebenssituationen gerecht werden.

Unser Ziel ist, dass diese Kolleginnen nicht das Gefühl bekommen, auf ein Abstellgleis gestellt zu werden oder bei der Auswahl attraktiver und anspruchsvoller Projekte außen vor zu bleiben. Vielmehr möchten wir einen realistischen Weg finden, Familie und Karriere in der Beratung miteinander zu verbinden, ohne dass jemand seine Ambitionen verstecken oder sich dafür rechtfertigen muss.

Über Hochschulkooperationen, Karriereformate und den Austausch mit Plattformen wie SQUEAKER möchten wir außerdem frühzeitig Kontakte ermöglichen und Fragen offen beantworten. Dabei geht es nicht darum, ein idealisiertes Bild zu zeichnen. Beratung kann anspruchsvoll und dynamisch sein – gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit, in kurzer Zeit unterschiedliche Branchen, Themen und Organisationen kennenzulernen. Gerade eine Boutique wie Consistency kann interessant sein, weil Mitarbeitende in einem überschaubaren Umfeld eng mit erfahrenen Kolleg:innen arbeiten und schneller Einblick in anspruchsvolle Transformationsaufgaben erhalten.

Welches Klischee über Frauen im Consulting begegnet dir oft und wie sieht die Realität wirklich aus?

Ein Klischee ist, dass Frauen im Consulting entweder besonders hart auftreten müssen, um ernst genommen zu werden, oder dass ihnen bestimmte Führungsqualitäten wie Durchsetzungsfähigkeit automatisch fehlen. Die Realität ist differenzierter. In Beratungssituationen braucht es Klarheit, analytische Stärke und die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen Entscheidungen vorzubereiten und zu vertreten. Gleichzeitig sind Zuhören, Empathie und die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen, keine „weichen Zusatzqualifikationen“, sondern zentrale Fähigkeiten in Transformationsprojekten. Ein Workshop oder ein Veränderungsvorhaben scheitert schließlich nicht daran, dass ein Modell nicht bekannt ist, sondern oft daran, dass Menschen nicht eingebunden sind oder keinen Sinn in der Veränderung sehen. Ich würde deshalb nicht von einem typisch weiblichen Führungsstil sprechen. Gute Führung sollte nicht an Geschlechterklischees, sondern an ihrer Wirkung gemessen werden.

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