Mann im Homeoffice winkt lächelnd in einen Laptop-Bildschirm – entspannte Arbeitsatmosphäre als Beispiel für Work-Life-Blending

Work-Life-Blending: Bei Beratern ist New Work angesagt

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Consulting for Graduates
08.11.2024
Köln
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Bei jungen Consultants ist die Work-Life-Balance im Wandel. In der Arbeitswelt von morgen finden Berater die Balance vielmehr im Work-Life-Blending. Und die Consultingbranche passt sich mit New Work oder Agilem Arbeiten sowie Sabbaticals & Leaves an.

Was die neue Beratergeneration heute will? Eine super Unternehmenskultur, gute Zusammenarbeit mit Kollegen und attraktive Karrierechancen. Diese Kriterien zur Arbeitgeberwahl im Consulting sind angesagt, das zeigt die aktuelle Consulting-Excellence-Studie von squeaker.net. Faktoren wie Einstiegsgehalt, Reputation und Work-Life-Balance sind weniger wichtig bei der Arbeitgeberwahl geworden. Work-Life-Blend heißt das Keyword, das die high-paced Consultingwelt erfasst.

New Work, New Life, New Balance

Viele Berufseinsteiger:innen wünschen sich heute eine Arbeitswelt, die Flexibilität, persönliche Entwicklung und sinnvolle Arbeit miteinander verbindet. Und da sind die Gründe für einen Einstieg in die Beratung klar. Die junge Beratergeneration legt unmissverständlich Wert auf spannende Aufgaben, hinter denen sie den Sinn versteht. Sie möchte aus intrinsischer Motivation handeln, autonom und mit einem Maximum an Flexibilität. Lange Tage durchhalten, damit irgendwann eine Partnerposition in Aussicht steht? Das reicht häufig nicht mehr – die klassischen Arbeitszeit-Klischees weichen zunehmend flexibleren Arbeitsmodellen: hybride Zusammenarbeit, Remote Work, individuelle Karrierepfade oder zeitweise Reduzierungen der Arbeitszeit gehören inzwischen in vielen Beratungen selbstverständlich dazu.

Me-Time für Consultants

Dass Consulting ein klassischer nine-to-five Job wird – diese Vorstellung bleibt weiterhin unrealistisch. Aber viele Beratungen setzen auf Möglichkeiten zu Auszeiten, Selbstverwirklichung und persönlicher Weiterentwicklung. Ein Weg dafür sind Sabbaticals oder Leaves of Absence, in denen sich Consultants aus dem Berateralltag zurückziehen und anderen Projekten widmen.

Strategy& setzt seit vielen Jahren auf flexible Karriere- und Entwicklungsmodelle – vom PhD-Leave über Sabbaticals bis hin zu Family-&-Career-Angeboten. Maik Hesse, heute Director bei Strategy&, hat diese Möglichkeiten über viele Jahre hinweg selbst genutzt. Nach seinem damaligen PhD-Leave kehrte er als Senior Associate zurück und entwickelte sich in den folgenden Jahren zum Manager, Senior Manager und schließlich Director. Sein wichtigstes Learning dabei: „Beratung ist ein Marathon, kein Sprint.“

Für ihn gehört zur modernen Consulting-Karriere deshalb nicht nur Leistung, sondern auch die bewusste Integration von persönlichen Lebensphasen. Immer wieder baute er sich gezielt „Me-Time“ für Reisen, Sport oder Familie ein – etwa durch kürzere Sabbaticals oder flexible Arbeitszeitmodelle.

Besonders wichtig wurde dieses Thema mit der Geburt seines Sohnes. In den ersten drei Jahren verbrachte Maik Hesse insgesamt neun Monate in Eltern- und Teilzeit. „Diese Zeit bekommt man ja nie wieder“, sagt er. „Ich finde es schön, dass der Arbeitgeber solche flexiblen Family-&-Career-Modelle unterstützt.“ Beim zweiten Kind möchte er sich erneut bewusst Zeit für Familie nehmen.

Wie seine Elternzeit im Alltag aussah, zeigte Maik Hesse auch auf Instagram: 

Work-Life-Balance im Wandel

Der Wunsch nach klassischer Work-Life-Balance hat an Bedeutung verloren: In der Consulting-Excellence-Studie von squeaker.net landet er bei den wichtigsten Kriterien der Arbeitgeberwahl im Consulting nur auf dem neunten Rang. Stattdessen geht es immer mehr um die Work-Life-Blend – das erlebt auch Maik Hesse. Denn in der Auszeit vom Berateralltag steht weiterhin die Karriere im Fokus: „Der Leave ist Teil der individuellen Karrieregestaltung und erfordert als solcher ebenfalls viel Planung, Selbstdisziplin und das Setzen der richtigen Schwerpunkte – allerdings ohne Deadlines im 24-Stunden-Takt.“

Für die Gestaltung eines Sabbaticals gibt es viele Möglichkeiten: „Man sollte sich genau überlegen, wie man die Zeit nutzen will und was man erreichen möchte“, sagt Maik Hesse. „Dann spricht allerdings nichts dagegen, eine Auszeit zu nehmen, sei es für die Weiterbildung im Rahmen von Doktorarbeit oder MBA oder für sechs Monate Weltreise inklusive Besteigung des Kilimanjaro und Surf-Camp auf Hawaii.“ Es zählt, was in die persönliche Karriere- und Lebensplanung passt.

Agiles Arbeiten ist gefragt

Flexible Arbeitsweisen gehören in der New-Work-Welt zum Berater-Alltag dazu. Simon-Kucher setzt sie vor allem bei der Beratung von modernen Erfolgsunternehmen wie Uber oder Airbnb ein. Obwohl der Kern der Consultingarbeit ähnlich bleibe, werde dieser in anderer Form umgesetzt. „Die Arbeit wird in Sprints statt in langen Projekten erledigt, außerdem müssen wir agiler sein, wenn wir an Probleme herangehen“, sagt Madhavan Ramanujam, Partner und Board Member bei Simon-Kucher. Bei Uber war das Beratungsunternehmen am Launch des Loyalty-Programms „Uber Rewards“ beteiligt. Gemeinsam mit Uber hat Simon-Kucher zunächst herausgefunden, welche Belohnungen bei den Kunden gut ankommen, im Anschluss ein Punktesystem entworfen und den Launch begleitet. Jetzt ist das Programm in allen US-Bundesstaaten verfügbar.

Digitale Cases in der Praxis

Heute prägen vor allem Künstliche Intelligenz, Automatisierung und digitale Collaboration-Tools die New-Work-Welt im Consulting. Dabei geht es um den Einsatz digitaler Technologien für neue Geschäftsmodelle oder Prozesseffizienzen. Ein Beispiel dafür von Roland Berger: Die Untersuchung von Einsatzmöglichkeiten der Blockchain-Technologien im Bereich der Triebwerkswartung bei Lufthansa Technik. „Die dahinterliegende Technologie ist bereits ein Jahrzehnt alt, doch jetzt steht sie möglicherweise für die Anwendung in vielen Branchen vor dem Durchbruch“, sagt Dr. Holger Lipowsky, Partner bei Roland Berger im Bereich Aerospace. Gerade bei der Luftfahrtbranche, die schon immer eine technologische Vorreiterrolle annahm, geht es ohne digitale und neu gedachte Lösungen nicht. „Blockchain-Anwendungen sind in vielen Bereichen denkbar, zum Beispiel bei der Überwachung von Triebwerken im Betrieb, der Organisation von Lieferketten oder operativen Prozessen in der Fertigung oder der Verwaltung“, sagt Lipowsky. Er ist sicher: „Die Zukunft ist digital!“ Und Beratungen stellen sich jetzt voll darauf ein.

Welche Skills wichtig sind

Die Beispiele zeigen: Hier sind Berater mit digitalem Mindset gefragt, vor allem MINT-Absolventen sind die Gamechanger. Doch Einsteiger sollten noch mehr Skills mitbringen, um in der neuen Consultingwelt erfolgreich durchzustarten: „Flexibilität, Schnelligkeit und ein gutes Reaktionsvermögen sind ganz wichtige Eigenschaften, ohne die man nicht mithalten kann“, sagt Pia Potrikus, IT-Consultant bei Senacor. „Man muss bereit sein, einen Schritt zurückzugehen, zu hinterfragen und die Laufrichtung auch mal zu ändern.“ Trotz aller Digitalisierung und Automatisierung: Consulting bleibt ein People Business: „Zwischenmenschliche Kommunikation und Vertrauen sind der Schlüssel für ein erfolgreiche Beziehung zwischen Kunde und Dienstleister“, sagt Pia Potrikus von Senacor. „Wenn dein Kunde glücklich ist, bist du es auch.“ 

Digitale Tools

New Work verändert auch den Arbeitsalltag von Beratern: Die Zusammenarbeit wird durch Sharing-Dienste optimiert, wodurch viele Arbeitsschritte schneller, effizienter und flexibler werden. Teams kommunizieren digital und meistens von verschiedenen Orten aus: Berater halten per Videokonferenz problemlos Rücksprache mit ihrem Projektleiter, der gerade im Mobile-Office ist, während andere ihr Brainstorming auf die sonnige Terrasse verlagert haben. Teilweise läuft die Kommunikation direkt über integrierte Messenger Services wie Google Hangout, Slack oder WhatsApp. „Das Consulting ist letztlich Output-getrieben und es ist somit egal, wo und wie die Ergebnisse entstehen, sofern der Einsatz beim Kunden vor Ort nicht zwingend erforderlich ist. Wichtig ist, dass die Deliverables von hoher Qualität sind. Als Berater ist man dabei auch so eine Art Entrepreneur im eigenen Unternehmen, da kann und sollte man sich die Tools, Arbeits- und Denkweisen der Digitalisierung zunutze machen“, sagt Maik Hesse.

New Work, New Spaces

Auch die Arbeitsorte können in der neuen Arbeitswelt völlig neu gestaltet sein: So hat PwC in Frankfurt ein Experience Center eröffnet, in dem multidisziplinäre Teams gemeinsam digitale Lösungen erschaffen. Die Devise: Um Innovationen zu kreieren, braucht es ein innovatives Umfeld – zum Beispiel mit Einsatz von Virtual Reality, Eye Tracking oder 3D-Druck. Statt klassischen Büromöbeln gibt es bunte Sitzsäcke, Bänke aus Paletten oder Post-it-Walls. Hier kommen nicht nur Berater zusammen: Auch Kunden und Kooperationspartner werden ins Experience Center eingeladen, um zusammen mit den PwC-Spezialisten digitale Ideen zu entwickeln und zu bewerten.

Zukunft der Beratung

Berater könnten in Zukunft Seite an Seite mit Robotern arbeiten. Künstliche Intelligenz soll Analysen automatisieren, Algorithmen könnten vorhersagen, wie sich Verzögerungen in einzelnen Abschnitten auf das gesamte Projektergebnis auswirken – und frühzeitig eine Warnung abgeben, falls der fristgerechte Erfolg in Gefahr ist. Steuert Kollege KI also die Berater-Welt von morgen? „Das wird mit Sicherheit zunehmend Einfluss auf die Arbeit der Berater haben“, glaubt Maik Hesse. „Insbesondere, wenn es um quantitative und analytische Aufgaben geht, wo Algorithmen vermutlich in der Lage sein werden bessere und akkuratere Cases und Vorhersagen zu liefern. Hier wird vermutlich „Asset-based Consulting“ zukünftig an Bedeutung gewinnen. Dabei hinterlassen Beratungshäuser zum Beispiel Methoden, Software oder Technologien beim Kunden, die auch nach Weggang des Beraters lizensiert und verwendet werden können. Letztlich ist Consulting aber ein „People Business“ und ich kann mir kaum vorstellen, dass Beratungen zukünftig Robo-Consultants anstelle eines Beraters als Trusted Advisor zum Kunden schicken.“

Beratung bleibt auch in Zukunft ein anspruchsvoller Job – doch die Vorstellungen davon, wie Karriere aussehen kann, verändern sich. Flexible Arbeitsmodelle, hybride Zusammenarbeit, Elternzeit, Sabbaticals oder individuelle Karrieregeschwindigkeiten gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig bleiben Neugier, Anpassungsfähigkeit und zwischenmenschliche Stärke entscheidend.

Die neue Consulting-Welt ist digitaler, flexibler und individueller geworden. Erfolgreich sind nicht unbedingt diejenigen, die am schnellsten sprinten, sondern diejenigen, die ihren eigenen Weg langfristig und bewusst gestalten. Und der Rest kommt dann im „Work-Life-Blending“.

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