Wer in der Hierarchie nach ganz oben blickt, sieht dort vor allem Männer. Noch immer sind Führungsetagen männlich dominiert – trotz Frauenquote und vielen weiblichen Top-Talenten. Was sagen aktuelle Statistiken, wie sieht es in der gesamten Wirtschaft und wie im Consulting aus? Und: Wie können Frauen trotzdem das C-Level erreichen? Hier findest du Antworten.
Frauen in Führungspositionen – im Überblick:
- Noch immer sind die Führungsetagen vor allem männlich geprägt – und Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher.
- Aktuell sind knapp 30 Prozent der Führungskräfte in Deutschland weiblich.
- Auch im Consulting sinkt der Frauenanteil, je weiter es in der Hierarchie nach oben geht, in der Top-Ebene sind es nur 14,5 Prozent.
- Aber: Es gibt vor allem im Consulting viele Initiativen, Netzwerke und Programme, die Frauen gezielt fördern und auf dem Weg nach oben unterstützen.
Frauen in Führungspositionen: Welche Statistik gibt es?
Wie viele Frauen in Führungspositionen gibt es in Deutschland? Dazu gibt es viele Zahlen – und sie sind nicht besonders ermutigend. Das Statistische Bundesamt schaut regelmäßig die Gesamtheit aller Führungskräfte in Deutschland an, die aktuellsten Zahlen sind von 2024. Zu diesem Zeitpunkt war nur knapp jede dritte Führungskraft weiblich (29,1 Prozent). Eine positive Entwicklung in den vergangenen Jahren ist kaum zu erkennen, 2022 war der Wert ähnlich – in diesem Jahr wurde die aktuell geltende Klassifikation zu Führungspositionen eingeführt.
Blickt man auf die verschiedenen Altersklassen, so sind die meisten weiblichen Führungskräfte in der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen zu finden, hier liegt der Wert bei 35 Prozent. Bei den 35- bis 44-Jährigen sind es 30,1 Prozent, zwischen 45 und 54 Jahren 29,2 Prozent. Danach fällt der Wert ab: 26,1 Prozent bei den 55- bis 64-Jährigen, 24 Prozent bei den 65- bis 74-Jährigen.
Allerdings: Diese Zahlen betrachten den Frauenanteil über alle Branchen hinweg. Bei akademischen Berufen wie bei Ärzt:innen, Jurist:innen und Lehrkräften waren es im Schnitt 50,2 Prozent – hier hat sich der Wert in den vergangenen Jahren sichtbar erhöht.
Auch das ifo Institut hat sich 2023 der Frage gewidmet, wie der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland ist, und im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen knapp 1000 Unternehmen befragt. Heraus kam: Frauen sind in Führungspositionen mit einem Anteil von rund 25 Prozent stark unterrepräsentiert. Frauen sind der Umfrage zufolge vor allem in Unternehmen Führungskraft, die weniger als 10 Millionen Jahresumsatz haben. Weibliche Führungskräfte sind demnach vor allem im Handel, im Gastgewerbe und im Dienstleistungssektor zu finden.
Die AllBright-Stiftung, die für Diversität in der Wirtschaft kämpft, und zu Frauen in Führungspositionen Studien veröffentlicht, kam 2020 zu dem Schluss, dass der Männeranteil in den Führungsetagen und Vorständen großer deutscher Unternehmen bei knapp über 90 Prozent liegt. Und sie machten eine Feststellung, die seitdem häufig zitiert wird: Unter den befragten Führungskräften gab es mehr Männer mit den Vornamen Thomas und Michael als Frauen.
Frauen in Führungspositionen: Wie ist die Statistik weltweit und in der EU?
Wie die Geschlechter in den Führungsetagen der EU verteilt sind, dazu erschien 2025 eine neue Statistik. Ergebnis: Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher. An der Spitze des Vergleichs liegt Schweden mit einem Frauenanteil von 44,4 Prozent, gefolgt von Lettland (43,4 Prozent) und Polen (41,8 Prozent). Deutschland kommt in dieser Statistik auf einen Wert von 29,1 Prozent – und liegt damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 35,2 Prozent.
Und wie ist die Lage weltweit? Auch global gesehen liegen die Männer vorn. Einer LinkedIn-Untersuchung von 2025 zufolge sind 30,6 Prozent der Führungspositionen von Frauen besetzt. Im Vergleich zu 2022 gab es einen minimalen Anstieg um 0,2 Prozent. Klar ist also: Von Gleichberechtigung in Führungsetagen sind wir in Deutschland, in der EU und auch global noch weit entfernt.
Frauen in Führungspositionen im Consulting
Reihen sich Unternehmensberatungen in dieses Bild ein – oder gibt es hier einen größeren Anteil von Frauen in Führungspositionen? Hierzu gibt es Zahlen, die Lünendonk im Jahr 2024 veröffentlicht hat. Die vielsagende Überschrift des Berichts: „Frauen im Consulting: In Trippelschritten Richtung Chefsessel“. Zunächst zum allgemeinen Frauenanteil: In Beratungshäusern in Deutschland liegt der Frauenanteil im Median bei 28 Prozent – man kann hier also noch immer von einem männerdominierten Feld sprechen. Gleichzeitig gibt es eine positive Entwicklung, denn fünf Jahre zuvor lag der Wert vier Prozentpunkte tiefer.
Der Frauenanteil sinkt demnach, je weiter wir in der Hierarchie nach oben blicken: Bei Junior-Consultants sind es rund 38 Prozent, auf Senior-Level 25 Prozent, in der obersten Führungsetage 14,5 Prozent.
Warum gibt es so wenige Frauen in Führungspositionen?
Die Zahlen sind also eher ernüchternd, wenn man sich eine gleichberechtigte Verteilung von Frauen und Männern über alle Ebenen hinweg wünscht. Woran liegt das? Statistiken und Umfragen dazu gibt es kaum, aber Beobachtungen aus der Praxis, die als überzeugende Gründe durchgehen:
- Viele Männer stellen viele Männer ein: Solange die Führungsebene noch männlich dominiert ist, werden mehr männliche Talente nach oben gezogen. Denn viele Entscheider stellen gerne Personen ein, die ihnen ähnlich sind – oder sie sind noch immer der Meinung, dass Männer einfach einen besseren Job als Chef machen.
- Klassisch „männliche“ Anforderungsprofile: Die Vorstellungen von einer Führungskraft sind oft noch sehr männlich geprägt, man wünscht sich Durchsetzungskraft, Selbstbewusstsein, Stärke – und das traut man Frauen oft weniger zu.
- Weniger Support durch Netzwerke: Auch wenn es immer mehr Netzwerke gezielt für Frauen gibt (auch im Consulting, dazu später mehr), sind es oft noch klassische „Boys Clubs“, in denen man sich gegenseitig nach oben befördert.
- Klassische Rollenmodelle in der Familie: Die Aufteilung von Care-Arbeit zwischen Mutter und Vater ist in den meisten Familien noch weit von 50:50 entfernt. Kommt das erste Kind und damit das Thema Vereinbarkeit, treten Frauen oft im Job kürzer. Und das kollidiert häufig mit einer Führungsposition.
- Traditionelle Führungsmodelle: Wer als Führungskraft arbeitet, muss jederzeit erreichbar sein und darf auf keinen Fall weniger als 40 Stunden pro Woche arbeiten – das gilt noch in vielen Unternehmen. Führung in Teilzeit oder Shared-Job-Modelle, in denen zwei Personen im Tandem führen, sind noch eine Seltenheit. Das passt oft nicht mit den zuvor angesprochenen klassischen Rollenbildern in der Familie zusammen, wenn auch Frauen führen wollen.
Mehr Frauen in Führungspositionen: Wie kann das klappen?
Das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im Öffentlichen Dienst“ (kurz FüPoG) gibt es bereits seit 2016, dort wurde erstmals eine gesetzliche Frauenquote beschlossen. Doch offenbar reicht das nicht, die Arbeitswelt muss sich verändern – genau wie die veralteten Rollenbilder und Stereotype in vielen Köpfen. Es gibt bereits viele Unternehmen, die Frauen gezielt auf dem Weg nach oben fördern, auch im Consulting: Female Leadership und Personal Branding wird hier als Thema ernst genommen.
So gibt es bei McKinsey das Female Leadership Program, das junge Frauen fördert und sie gezielt auf Führungspositionen in der Wirtschaft vorbereitet. Die Boston Consulting Group hat Women@BCG gestartet – eine Initiative, die Mentoring- und Networking-Programme für Frauen beinhaltet. Bei Oliver Wyman gibt es das Programm WOW (Women at Oliver Wyman), in dem es unter anderem gezielt um Frauen in Führungspositionen geht. Und Roland Berger rief das Förderprogramm EmpowHER ins Leben, das weiblichen Mitarbeiterinnen die Chance gibt, ihr persönliches Potenzial auszuschöpfen.
Diese Initiativen und Programme zeigen: Unternehmensberatungen erkennen, dass es in Sachen Gleichberechtigung auf der Führungsetage noch viel zu tun gibt – und sie sehen das große Potenzial, das weibliche Führungskräfte mitbringen. Das sollten Einsteiger:innen mit Aufstiegsambitionen ausnutzen und versuchen, Teil einer solchen Förderung zu werden.
Das sorgt idealerweise dafür, dass die Statistiken in einigen Jahren schon ein ganz anderes Bild zeichnen. Und: Je mehr Frauen in Führungspositionen als Beispiele und Role Models vorangehen, desto mehr ambitionierte Nachfolgerinnen wird es geben.
Jenny ist Senior Content Marketing Managerin und entwickelt seit der Gründung von SQUEAKER Inhalte, die Talente und Beratungen zusammenbringen, Transparenz schaffen und authentische Einblicke ermöglichen. Ihr Fokus: Themen so aufbereiten, dass Kandidat:innen echten Mehrwert erhalten und fundierte Karriereentscheidungen treffen.





