Finance Karriere

Die Eurokrise

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Nicht nur die Finanzkrise sollte man als Bewerber in der Finanzbranche kennen – auch die Eurokrise ist im Vorstellungsgespräch häufig Thema. Hintergrund und Folgen der Währungskrise in der EU erklären wir dir im Folgenden.

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Gehalt
© lampentisch

via Photocase

Während der Gipfel der Finanzkrise der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 war, so ist dies für die Eurokrise der Mai 2010: Anleihen-, Interbanken-, Aktien- und Devisenmärkten drohte der Kollaps. Schließlich griff die EZB ein, warf ein ihr zuvor unumstößliches Prinzip über Bord und kaufte die Staatsanleihen mit sehr schlechtem Rating in Milliardenhöhe auf, um die Märkte zu beruhigen und den EU-Mitgliedsstaat zu stützen.

Um die Zusammenhänge noch umfassender zu verstehen, ist es sinnvoll sich über den weiteren Verlauf und aktuelle Diskussionen rund um das Thema zu informieren. Hierzu eignen sich bspw. die EZB-Monatsberichte oder die Hintergrundberichte und Statistikseiten des Economist.

Gründe für die Eurokrise

Mehrere Gründe haben letztlich dazu geführt, dass einige EU-Staaten hoch verschuldet waren und somit letztlich die Eurokrise, oder auch Schuldenkrise, ausgelöst haben. Erste Schwierigkeiten entstanden nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008: Die Finanzminister der Europäischen Union beschlossen auf einer Krisensitzung in Paris eine De-facto-Garantie anzugeben, dass man kein weiteres Finanzinstitut, dessen Scheitern das System gefährden könnte, in Verzug gehen lassen würde. Eine Kapitalflucht aus den Ländern, die nicht in der Lage waren, ähnliche Garantien abzugeben, setzte ein – doch das Zinsgefälle innerhalb der Euro-Zone blieb minimal. Zu diesem Zeitpunkt gerieten erste Länder Osteuropas – insbesondere Ungarn und die Baltischen Staaten – in Schwierigkeiten und mussten gerettet werden.

Im weiteren Verlauf entwickelte sich die Finanzkrise zu einer branchenübergreifenden Wirtschaftskrise. Diese ließ einerseits die Steuereinnahmen einbrechen und zog andererseits milliardenschwere Konjunkturprogramme nach sich. Insbesondere Griechenland, Spanien, Italien, Portugal und Irland waren Anfang 2010 massiv verschuldet und sind es noch immer. Hinzu kam, dass einige dieser Länder über einen längeren Zeitraum keine besondere Haushaltsdisziplin wahrten und ihre Wettbewerbsfähigkeit seit Einführung des Euro ständig nachließ. Statt Reformen anzuschieben, wirtschafteten sie – verleitet durch die ungewohnt niedrigen Zinsen in der Euro-Zone – jahrelang auf Pump. Griechenland hatte darüber hinaus noch weitere Probleme, die dafür sorgten, dass die Krise ausgelöst wurde: In den vergangenen Jahren hatte die Korruption stark zugenommen und die Zahlen zur Einhaltung der Stabilitätskriterien waren „massiert“. Die Anhäufung von Schulden war in Griechenland besonders drastisch. Als gegen Ende 2009 die Regierung wechselte, revidierte die neue Regierung die Staatsverschuldung drastisch auf 12,7% nach oben. Daraufhin wurde das Rating für Griechenland schrittweise von allen Ratingagenturen nach unten gestuft. Die Refinanzierung wurde zunehmend teurer und verschlimmerte die Lage weiter. Als davon auszugehen war, dass Griechenland alleine nicht in der Lage war, seine Schulden zu begleichen, geriet der Markt in Unruhe und die Lage wurde immer dramatischer. Auch die Gesamtsituation der anderen hoch verschuldeten EU-Staaten geriet verstärkt ins Blickfeld der Märkte und erste Szenarien über ein Auseinanderbrechen des Euro-Raumes wurden entwickelt.

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Hilfsmaßnahmen gegen die Eurokrise

Zahlreiche Banken (insbesondere die deutsche Hypo Real Estate und einige französische Banken) hatten sich umfangreich mit Anleihen der hoch verschuldeten EU-Länder eingedeckt, was auch die Banken wieder stark unter Druck brachte und zeitweilig den Markt für Interbankenkredite einbrechen ließ – der Index für Kreditderivate erreichte Anfang Mai höhere Werte als nach der Lehman-Pleite. Massive Spekulationen rund um den schwächer werdenden Euro und die Staatsanleihen der Defizitländer erhöhten den Druck weiter. Die steigende Nervosität an den Anleihen- und Interbankenmärkten löste schließlich eine Verkaufswelle an den Aktienmärkten der Euro-Staaten aus. Man befürchtete einen Staatsbankrott Griechenlands und eine daraus resultierende Kettenreaktion. Um dies zu verhindern, folgten auf die anfangs allgemein gehaltenen Unterstützungszusagen schließlich konkrete Hilfsmaßnahmen. Trotz des Junk-Ratings entschied sich die EZB griechische Staatsanleihen als Pfand für Milliardenkredite anzunehmen und am Wochenende des 8. und 9. Mai wurde in kürzester Zeit ein 750-Milliarden-Euro-Paket zur Stützung des Euros geschnürt: Die ersten 60 Milliarden stellte die EU-Kommission bereit, 440 weitere Milliarden kommen in Form von Garantien und Krediten der Euro-Staaten zusammen und der IWF steuert, verteilt auf 3 Jahre, bis zu 220 Milliarden Euro bei. Angetrieben wurden EZB und IWF von der Angst, dass bei der Öffnung der asiatischen Aktienmärkte am folgenden Montag ein beispielloses Börsenbeben passieren könnte. Die Politik wollte ein starkes Signal an die Märkte schicken, damit der drohende Kollaps verhindert würde.

Folgen der Rettungspakete

Zunächst wurde durch die Maßnahmen wieder mehr Vertrauen in die Märkte gebracht und die Lage stabilisierte sich allmählich. Zahlreiche Sparpakete in den stark defizitären EU-Ländern – teilweise Bedingung für die Unterstützungszahlungen – wurden auf den Weg gebracht. Außerdem wurde eine politische Debatte über die künftige Ausgestaltung der „Schicksalsgemeinschaft“ EU angestoßen. In Deutschland wurde der ungedeckte Leerverkauf verboten, der die Effekte auf den Märkten während der Krise nach Meinung vieler Experten verstärkt und beschleunigt habe. Eine weitere Folge der Krise war eine Sonderkonjunktur, vor allem in Deutschland, welches als Exportland vom schwächeren Euro profitierte. Zudem bekommen stabilere Staaten Kreditmittel billiger, weil vermehrt Kapital aus den schwächeren Ländern dorthin strömt. Dadurch spart alleine Deutschland Milliarden. Auch direkt profitiert Deutschland, wenn Griechenland das zu fünf Prozent geliehene Geld zurückzahlt, da Deutschland selbst das Geld zu wesentlich günstigeren Konditionen refinanzieren kann.

Der Autor, Thomas Trunk, studierte nach seiner Ausbildung bei der Deutschen Bank, BWL und VWL in Passau und Málaga, Spanien. Während des Studiums sammelte er Praxiserfahrung im Equity Research (VMR AG), Asset Management und Equity Derivatives (Deutsche Bank), Equity Trading/Sales (ehem. Merrill Lynch), M&A (Lazard), Marketing Consulting (Simon Kucher), Internationaler Handel (Deutsch-Malaiische Handelskammer) und in der Politik (Bundestag).

Nach Abschluss seines Studiums war Thomas Trunk über zwei Jahre in der Investment Banking Division bei Goldman Sachs tätig und dort u. a. Mitglied des Recruiting Teams. Während dieser Zeit wirkte er an zahlreichen Transaktionen in unterschiedlichen Industriesektoren mit, z. B. im Bereich Pharma (Sell Side), Transport und Logistik (Buy Side, IPO), Erneuerbare Energien (Kapitalerhöhung), Post- und Logistikdienstleistungen (IPO/Privatisierung) sowie Infrastruktur Services (Sell Side – LBO Exit).

Neben Finance-Themen interessieren Thomas vor allem Backpackingtouren in allen Ecken der Welt.

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