Wirtschafts- & Großkanzlei: Vom Einstieg bis zur Partnerschaft

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Hand aufs Herz: Nach dem Studium gleich ein Bruttojahresgehalt im nahezu sechsstelligen Bereich Gehalt nach Hause zu bringen, das ist für viele verlockend. Und genau das bieten die Wirtschafts- und Großkanzleien hierzulande.

Juristen

Dafür wird aber auch etwas verlangt: Man erwartet keinen nine-to-five Job, wenn man sich für diese Art von Kanzlei entscheidet. Im Gegenteil: In der Akutphase eines Mandates kann ein Arbeitstag auch einmal 16 Stunden haben, an Wochenenden wird in diesen Situationen durchgearbeitet. Und um überhaupt hineinzukommen, muss man auch im Vorfeld bereits etwas geleistet haben: Ein Prädikatsexamen ist in der Regel Pflicht, eine Promotion oder ein LL.M. ist die Kür. Die Zusammenarbeit mit hellen Köpfen ist also vorprogrammiert. Was erwartet einen sonst aber noch? Die Wirtschafts- und Großkanzlei ist kein Mysterium, denn bei all der notwendigen Brainpower und dem abverlangten Arbeitseinsatz sind die Strukturen recht klar nachzuvollziehen. Und da eine typische Großkanzlei eben eine Wirtschaftsgroßkanzlei ist, bei der die Betreuung von komplexen Unternehmensfragen und -transaktionen im Vordergrund steht, darf man auch eine abwechslungsreiche Arbeit durch herausfordernde und komplexe Mandate erwarten. Man spielt hier in der Liga der Konzerne mit. 

Juristen sollten früh prüfen, ob der Karriereweg in die Großsozietät der richtige ist

Wenn man abklären möchte, ob der persönliche Karriereweg Richtung Wirtschafts- und Großkanzlei gehen soll, dann macht es Sinn, bereits vor dem 2. Staatsexamen Erfahrung zu sammeln. Das kann als Praktikant sein, das kann auch später als Referendar oder wissenschaftlicher Mitarbeiter gleich nach dem 1. Staatsexamen passen. Dies hängt, wie so vieles, von der individuellen Vita eines jeden einzelnen ab. Faustregel ist aber: Je früher man sich hier orientiert, desto besser, denn wenn man sich einmal pro Großkanzlei entschieden hat, kann man auf diese Weise auch bei zwei oder drei Kanzleien Stationen ablegen, um die passende Kanzlei zu finden. Alternativ kann man durch mehrere Stationen bei ein und derselben Großsozietät vor Studienabschluss so auch den sprichwörtlichen Fuß in die Tür bekommen, der einem den Einstieg als Volljurist später erleichtert. Ein Hineinschnuppern sollte also auf jeden Fall auf der berufsplanerischen To-Do-Liste stehen, bevor man den Karriereweg Richtung Wirtschafts- und Großkanzlei einschlägt. 

Karrierestufen Großkanzlei

Erfolgreiche Kandidaten steigen als Associate ein

Der Einstieg in die Großkanzlei setzt formale Kriterien voraus, die kaum zu umgehen sind. Anders als bei anderen Jobs im Wirtschafts - oder Finance-Bereich etwa, sieht die Mehrheit der Großkanzleien aber keine Selektion von Kandidaten durch Assessment Center oder andere strukturierte Auswahlverfahren vor. Ein oder zwei persönliche Vorstellungsgespräche in der anvisierten Kanzlei sind hier das Maß der Dinge, um die Eintrittskarte als Associate zu lösen – der untersten Stufe in der Hierarchie einer Wirtschafts- und Großkanzlei für Juristen nach dem 2. Staatsexamen. Nun hat man die Praktikanten, Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter-Kollegen hinter sich gelassen und gehört als angestellter Anwalt fest zum Team der Kanzlei. Eine weitere Differenzierung in dieser Hierarchiestufe nach Erfahrung ist in den meisten Kanzleien darüber hinaus üblich: First Year Associate, Managing Associate, Prinicipal Associate, Senior Associate spiegelt die Seniorität der Juristen im Kreise der Associates wider. Dass ein höherer Rang in der Sozietät auch eine höhere Gehaltsstufe bedeutet, versteht sich bei diesem transparenten Karrierepfad von selbst.

Die Partnerschaft – der Weisheit letzter Schluss?

Fünf bis acht Jahre nach dem Einstieg als Associate stellt sich für die meisten die „sein oder nicht sein“ Frage, denn nun wird die Eignung als Partner in der Großsozietät eruiert. Was aber genau zeichnet den Partnerstatus aus? Hierarchisch gesehen ist es der Partner, der weisungsbefugt ist und federführend mit einem Mandat betraut wird und dieses in einem Team von Associates und Referendaren bearbeitet. Den Partnerstatus zu bekommen bedeutet aber auch Manager zu werden: Das für Associates übliche Fixgehalt – gegebenenfalls aufgestockt durch einen zusätzlich Bonus – wird durch ein neues Vergütungsmodell ersetzt, bei dem der Partner einen bestimmten Anteil am Kanzleigewinn erhält und auf diesem Wege eben eine nicht zu unterschätzende unternehmerische Verantwortung übernimmt. Die Unterscheidung zwischen Junior Partner und Senior Partner beziehungsweise Salary Partner und Equity Partner bringt auch eine Abstufung in diese höchste Karrierestufe einer Großsozietät. Während Senior beziehungsweise Equity Partner Vollpartner, also Gesellschafter, sind und somit volle Gewinnbeteiligung und ein volles Mitspracherecht besitzen, sind die Junior beziehungsweise Salary Partner in der Regel noch nicht voll gewinnbeteiligt und verfügen üblicherweise nur über eingeschränkte Stimm- und Mitspracherechte. Und wie bei den Associates auch variiert diese Karrierestufe in ihrer Ausgestaltung von Kanzlei zu Kanzlei, deshalb gilt auch hier: Im Vorfeld informieren, damit man weiß, wo der Karriereweg wirklich hinführt. 

Die Alternative als Counsel – „Up-or-out“ steht zur Debatte…

Eines ist den meisten Großsozietäten in Zeiten von Fachkräftemangel und geburtenschwachen Jahrgängen offenbar klar geworden: Das früher vorherrschende „up-or-out“ Prinzip, bei dem man sich von denjenigen Associates, die es nicht zum Partner schaffen, verabschiedet, hat langsam ausgedient. Auch die Genderthematik vermag hier eine Rolle spielen, denn naturgemäß verläuft der Karrierepfad von Juristinnen nicht immer graduell. Nicht zuletzt bedeutet der Verlust eines Mitarbeiters, der einige Jahre in der Kanzlei verbracht und in den man einiges investiert hat, aber eben auch einen Know-how Verlust. All diese Faktoren spielen hinein in die Schaffung einer neuen Alternative im Karrierepfad bei Großsozietäten: dem Counsel. Erfahrene Associates können hierbei anstelle der Partnerschaft eine (sehr) gut bezahlte, dauerhafte Festanstellung als Anwalt in der Kanzlei erhalten – eine Option, die für viele attraktiv scheint und mit einer entsprechend ansteigenden Ernennung von Counsels in hiesigen Großkanzleien einhergeht. Wiederum gilt: die Kanzleien handhaben auch diese Position in der Ausgestaltung sehr unterschiedlich – also unbedingt Informationen einholen. 

Und wo bitte geht es nach oben?

Die Strukturen der Großsozietät sind somit klar. Weniger klar aber ist: Wie komme ich überhaupt zu meinem obersten Karrierezahl Partnerschaft? Eine aktuelle Studie des Hamburger Bucerius Center on the Legal Profession bemängelt den bürokratischen Karriereweg, den Großkanzleien bis dato damit begründen, dass ein Kandidat sich für eine Partnertauglichkeit zu bewähren habe. Und dabei gibt es eben keinen festen Kriterienkatalog. Keine transparenten Nominierungs- oder Auswahlverfahren, die man durchlaufen könnte. Als Associate ist man zunächst einem bestimmten Partner zugeordnet. Und hier gilt dann auch: Das Assessment Center, welches vielleicht im Vorfeld des Einstiegs in die Kanzlei nicht zum Tragen kam, findet genau in diesem Rahmen statt. Denn erfahrene Associates, der Partner selbst und vielleicht auch ein Counsel werden die Entwicklung des Neuzugangs an Bord sehr genau beobachten.

Team Kanzlei Jura

Die richtige Kombination von fachlichem Können und Soft Skills ist die beste Grundlage

Da geht es natürlich um die inhaltliche Arbeit – das juristische „Können“ eben. Da geht es um Engagement über den üblichen Arbeitszeitrahmen hinaus. Wie gesagt: Griffel fallen lassen – das geht hier nicht. Erst recht nicht, wenn man sich längerfristig an die Kanzlei binden oder gar Partner werden will. Das Mandantengespräch sollte man im Übrigen genauso beherrschen wie das Kultivieren dieser Kontakte – denn das ist Voraussetzung für eine spätere Akquise von Neumandanten. 

Es geht aber auch um Teamfähigkeit: Beim Team rund um den Partner, aber auch um Teamfähigkeit in fachübergreifenden Projektteams wie etwa bei einem komplexeren Mandat. Denn, nicht vergessen: Ein Partner ist auch Führungskraft. Und wenn diese bestenfalls einen kooperativen Führungsstil an den Tag legt, dann schlägt sich das auch in der Performance der nachgeordneten Mannschaft nieder. Ein Partner ist dann aber eben auch Manager. Unternehmerisches Können weist dabei unterschiedliche Formen auf: Die Akquise von lukrativen Mandaten ist wichtig. Manche Kanzleien lassen sich von Partnerschaftsanwärtern indes auch Business Pläne oder Strategieszenarien für die Entwicklung der Kanzlei vorlegen. 

Last but not least sind zwei Dinge aber mit Sicherheit nicht von der Hand zu weisen: Erstens geht karrieretechnisch der Weg nur nach oben, wenn man sich ein Netzwerk aufbaut. Das gilt erst recht in einem großen Unternehmen wie einer Wirtschafts- und Großkanzlei, wo eine Vielzahl von klugen, engagierten Köpfen aufeinander trifft. Dies sollte man von Beginn an beherzigen. Die Weihnachtsfeier aussitzen? Keine gute Idee. Das Outdoor Teamtraining lieber nicht mitnehmen? Besser nicht. Denn es geht zweitens auch letztlich darum, Sichtbarkeit unter den Aspiranten in Richtung Partnerschaft zu erzielen – natürlich im positiven Sinne. Summa summarum gilt also: Hat man die richtige Kombination von hard und soft skills, dann kann man am Ende vielleicht wirklich zu den Glücklichen gehören, die sich Partner nennen dürfen.

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