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Die Geschichte der Mikrokredite & Kritik am Ethical Investment

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Die Geschichte der Mikrokredite

In Bangladesch entstand 1976 ein von Muhammad Yunus initiiertes Programm der Kreditvergabe, das 1983 mit der Grameen Bank realisiert werden konnte. Sie erhielten 2006 den Friedensnobelpreis für ihre Bemühungen um die „wirtschaftliche und soziale Entwicklung von unten“. In Folge dessen recherchierte der dänische Fernsehjournalist Tom Heinemann nach Unregelmäßigkeiten im Geschäftswesen der Grameen Bank und stieß auf Spendengelder, welche die Bank nicht wie vorgesehen für das eigene Kerngeschäft, sondern für andere Tätigkeiten verwendet hatte. Es war zu wenig geprüft worden, sodass sich letztendlich die Zwischenhändler darüber amüsierten. Dieser Vorfall hat leider wieder gezeigt, dass hinter guten Ideen wie dem Ethical Investment „schlechte“ Umsetzer stehen können.

Mikrokredite heute

Heute sind Mikrokredite ein Instrument der politischen Entwicklungszusammenarbeit und das Konzept wird zunehmend auch auf Industrieländer übertragen. So schlug die jetzige US-Außenministerin Hillary Clinton beim Microcredit Summit 1997 vor, Mikrokredite auch zur Armutsbekämpfung in den Slums US-amerikanischer Großstädte einzusetzen. Nach Europa kehrte diese Idee Anfang der 1990er Jahre zurück, als sich vor den Existenzgründern mit zunehmender Tendenz eine Finanzierungslücke öffnete. In den Niederlanden entstand das Modell Tante Agathe zur Aktivierung von Privatkapital für Existenzgründer. In Frankreich wurde 1989 die gemeinnützige Adie gegründet, welche jährlich über 10.000 Mikrokredite an Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger vergibt. In Deutschland hat die Bundesregierung Anfang 2010 die GLS Gemeinschaftsbank mit dem Aufbau des Mikrokreditfonds Deutschland beauftragt. 1995 gründete die Weltbank die Consultative Group to Assist the Poor (CGAP, „Beratungsgruppe für die Unterstützung der Armen“) mit dem Ziel, 200 Millionen US-Dollar für die Vergabe von Mikrokrediten zu mobilisieren. Weltweit wird die Zahl der Mikrofinanz-Institute (MFI) auf über 70.000 geschätzt. Zwei Organisationen, die sich schwerpunktmäßig im Bereich Mikrokredit engagieren, sind das Deutsche Mikrofinanz-Institut und FINCA International (USA).

Kritik am Ethical Investment

Leider sind jedoch auch Mikrokredite kein Wundermittel im Sinne der Armutsbekämpfung. Arme Kleingewerbetreibende haben in der Regel keinen Zugang zu üblichen Bankkrediten, da sie keine dinglichen Sicherheiten stellen können und der Aufwand pro Kredit klassischen Banken zu hoch erscheint. Infolgedessen bleiben sie oft im informellen Sektor und abhängig von Kreditvermittlern oder gar „Kredithaien“ mit in der Regel höheren Zinssätzen. Vielen fehlt der erforderliche Grad an Selbstständigkeit oder die Möglichkeit, den Mikrokredit zurückzuzahlen. Die Fokussierung auf die reine Kreditvergabe ohne Ergänzung einer Sparmöglichkeit führt häufig auch zu einer Schuldenfalle. Überdies verändert die Vergabe von Mikrokrediten nicht die wirtschaftlichen Makrostrukturen und fördert auch keine transformativen Rahmenbedingungen. Es entstehen Risiken aus der Verbriefung und dem Weiterverkauf der Mikrokredite und ferner die Gefahr einer neuen Finanzblase. Eine mögliche Lösung für echtes Ethical Investment wären vereinheitlichte Zinssätze. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass in vielen Ländern weiterhin eine Finanzierungslücke zwischen Mikrokrediten von bis zu ca. 1.000 US-Dollar und Bankkrediten ab ca. 10.000-15.000 US-Dollar besteht. So gibt es im Senegal laut Zentralbankangaben etwa eine Million Mitglieder von meist informell operierenden Kreditgenossenschaften, aber die durchschnittliche Kredithöhe beträgt nur bis zu 400 US-Dollar.

Lohnt sich Ethical Investment wirklich?

Auch wenn die Idee, die hinter Mikrokrediten steht, viele Risiken birgt und in manchen Fällen eher einer Schulden- und Armutsfalle als einer „Rettung“ gleich kommt, so ist das Ethical Investment doch ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist eine Chance für jeden von uns, mit seinem Geld und der Wahl seiner Anlage nicht nur etwas zu ermöglichen, sondern auch etwas zu verbessern.

Das Interview führte  Enactus . Enactus ist eine nicht-staatliche, unpolitische Non-Profit-Organisation, die 1975 in den USA gegründet wurde. Mittlerweile ist die Studenteninitiative Enactus weltweit in 47 Ländern an über 1.800 Universitäten tätig und damit eine der größten internationalen Studierendenorganisationen der Welt.

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Inhalt

  1. Einleitung: Ethical Investment: Mikrokredite
  2. Die Geschichte der Mikrokredite & Kritik am Ethical Investment

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