Non Profit-Organisationen: Soziale Wirtschaftlichkeit

(4.5/5)   6 Votes

Non Profit-Organisationen schaffen neue Perspektiven für Dritte. Engagierten Absolventen und High Potentials bieten NPOs ein interessantes Karriereziel. Der Student Tim Breker berichtet über die Gründung seiner gemeinnützigen Gmbh.

Förderung, Brücke bauen, Unterstützung, Stütze
© Michael Brown

via fotolia

Non Profit-Organisationen sind Bestandteil einer jeden Volkswirtschaft, werden jedoch nicht öffentlich geführt und erfüllen nur bedingt den Zweck der Privatwirtschaft. Non Profit-Organisationen, kurz NPOs, bieten gemeinwirtschaftliche Güter sowie Dienstleistungen am Markt an. Non Profit-Organisationen tragen so zu gemeinnützigen Zielen bei. Absolventen und High Potentials, die Unternehmergeist verspüren und sich gleichzeitig sozial engagieren wollen, bietet die Gründung einer NPO eine spannende Alternative zur klassischen Konzern-Karriere.

Non Profit-Organisationen

In Deutschland wird die Gemeinnützigkeit im Rahmen eines staatlichen Anerkennungsverfahrens vergeben. Typische Rechtsformen für Non Profit-Organisationen sind die gemeinnützige GmbH (gGmbH) und der eingetragene Verein (e. V.). Diese NPOs bieten ihre Dienste in frei-gemeinnütziger oder privat-gewerblicher Trägerschaft an. Jede Organisation vertritt und fördert die Interessen ihrer Mitglieder. Eine sozial orientierte gGmbh unterliegt dem üblichen GmbH-Gesetz, genauso wie jede auf Gewinn abzielende Unternehmung, jedoch gibt es zusätzliche Besonderheiten. Neben steuerlichen Vergünstigungen unterliegt sie in ihrer Satzung dem Gemeinnützigkeitsrecht. Dies wird in seinen Grundsätzen in der Satzung der gGmbH verankert. Gewinne, die eine gGmbH erzielt, müssen einem gemeinnützigen Zweck zugeführt werden, somit darf an die Eigentümer kein Gewinn ausgeschüttet werden. Wie die Gewinne betrifft diese Regelung auch das Vermögen einer gGmbH. Es kann bei einem Verlust der Gemeinnützigkeit oder des steuerlichen Vorteils nicht ausgeschüttet werden und wird an eine steuerlich begünstigte Körperschaft übertragen.

Die Gründung einer NPO

Als Experten zum Thema Non Profit-Organisationen haben wir Tim Breker befragt, der zurzeit neben seinem Studium seine eigene Mini-gGmbH in Köln leitet. Tim Breker (24) studierte an der Universität Vallendar Betriebswirtschaftslehre und setzt sein Studium mit dem Master in Public Policy an der Humboldt-Viadrina School of Governance fort. Über die Bildungsinitative Teach First arbeitete Tim zwei Jahre an einer Hauptschule als unterstützende Lehrkraft, erstellte und leitete dort Projekte und baute mit Schülern zwei Schülerfirmen auf. Die Erfahrung dabei und der Lernerfolg der mitarbeitenden Schüler motivierten ihn, sich selbstständig zu machen. Seine Feststellung war, dass für Schüler und Lehrer oftmals der Aufwand einer Schülerfirma zu groß ist. Um diesem Problem entgegenzuwirken, erstellte er ein standardisiertes Konzept für die Etablierung von Schülerfirmen. So können an jeder Partnerschule 8-12 Schüler aus zwei Jahrgängen – idealerweise aus den Jahrgangsstufen 8-9 sowie 9-10 mitarbeiten. Sie werden in Workshops zur Warenannahme, Lagerung, Vorbereitung, Abrechnung und zum richtigen Verkauf geschult. Die von Tim geleiteten Schülerfirmen bieten, dem typischen Bild eines Pausenkiosks entsprechend, Getränke und Backwaren an, die ein Kooperationspartner vor Ort liefert. Im täglichen Verkauf erlernen die Schüler hier praxisnah den Ablauf einer handelsorientierten Unternehmung. 

Erfolgreich eine NPO gründen

In der Gründungsphase wird der Grundstein für den späteren Erfolg gelegt. Gerade deshalb solltest du dich vor und während der Gründung gut informieren, ob es Unterstützung in Form von Coachings und Kontakten oder sogar Stipendien gibt. Letztendlich musst du aber vor allem das richtige Geschäftsmodell wählen und einen durchdachten Businessplan erstellen, sonst kann es passieren, dass du am Arbeits- und Organisationsaufwand zu scheitern drohst. Deinen Businessplan kannst du auch bei einem  Studentischen Wettbewerb  einreichen und auf diese Weise potenzielle Sponsoren auf dein Projekt aufmerksam machen.

Unterstützung bei der Unternehmensgründung

Wer strukturiert und mit Engagement an die Gründung herangeht, findet nicht nur viel Unterstützung, sondern auch große Chancen und Entfaltungsmöglichkeiten. Tim bekam Unterstützung vom NUK Rheinland e.V. Hier werden Workshops und schnelle Hilfe bei Fragen angeboten. Sehr interessant gestaltete sich für ihn der Austausch mit anderen Gründerkollegen, die so voneinander profitieren konnten. Die Erfahrungen während seiner Zeit bei der Bildungsinitiative Teach First lehrten ihn weitere Grundlagen in der Zusammenarbeit mit Schulen und Jugendlichen. „Wenn man selbst ein Problem sieht, das einen stört, sollte man daran etwas verändern. Man sollte selbst auf die Suche nach innovativen Ideen gehen und versuchen, mit der Problemlösung zu beginnen“, so Tim.

Arbeiten für eine NPO

Im Vergleich zu einem normalen Job birgt die Gründung eines Start-ups natürlich ein größeres Risiko. Darüber hinaus fallen erste Gehälter deutlich geringer aus. Die primäre Motivation von Tim ist, vielen jungen Schülern und Schülerinnen wirtschaftliche Abläufe anhand einer Schülerfirma zu zeigen und ihnen einen zusätzlichen Lernerfolg und erste Erfahrungen zu vermitteln. Dafür gründete er seine Mini-gGmbH, die ihm hoffentlich bald ein ausreichendes Gehalt zahlen kann. Damit sein Start-up eine erste Festanstellung finanzieren kann, benötigt es etwa 12 Partnerschulen. Für seine Unternehmung sucht Tim nach weiteren Kooperationspartnern – sowohl im Schulbereich als auch in der Wirtschaft. Um das Projekt in finanzieller Hinsicht und mit Ausblick auf grundlegende Bildungsfortschritte mit Erfolg zu gestalten, wäre ein solides Wachstum der Anzahl der Partnerschulen wichtig. Interessant ist seine Idee für jede weiterführende Schule und andere Kooperationspartner allemal. Mit einer Zusammenarbeit haben z.B. Unternehmen die Möglichkeit, spätere Bewerber schon früh kennenzulernen und ihnen zusätzliche Qualifikationen zu ermöglichen, was gerade in Deutschland aufgrund des Fachkräftemangels wünschenswert wäre.

Unternehmensgründung & Alternative Karrieren

In unseren Rubriken Hidden Champions und Start-up & Gründung findest du weitere Anregungen für die Gründung deines Unternehmens. Lies außerdem die Erfahrungsberichte der Squeaker oder tausch dich im Forum mit anderen Gründern aus.

Fazit zur Gründung einer NPO

Die Gründung einer sozial orientierten Organisation, ob Verein oder gGmbH, hat einen hohen Wert für jede Gesellschaft und kann diese entschieden weiterbringen. Neben den klassischen Unternehmensformen hat eine gGmbH ein größeres Ziel als schnelles Wachstum und kurzfristigen Gewinn vor Augen. Eine nachhaltige Verbesserung im sozialen Bereich und die effektive Umsetzung von konkreten Problemlösungen dürfen auch nicht zu kurz kommen und lediglich den Dienstleistungen des Staates unterliegen. Die Erfüllung, die Tim aus seiner Arbeit für seine NPO verspürt und die uns in seinem Interview überzeugte, ist ein hohes Gut. Der Nutzen für die Schüler ist außerordentlich. 

Das Interview führte  Enactus . Enactus ist eine nicht-staatliche, unpolitische Non-Profit-Organisation, die 1975 in den USA gegründet wurde. Mittlerweile ist die Studenteninitiative Enactus weltweit in 47 Ländern an über 1.800 Universitäten tätig und damit eine der größten internationalen Studierendenorganisationen der Welt.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren

  • »Ehrliche, kontrollierte und anonyme Erfahrungsberichte auf squeaker.net sind eine wichtige und sinnvolle Hilfe im Bewerbungsprozess bzw. bei der Auswahl interessanter Arbeitgeber.«

    Was unsere Mitglieder über uns sagen
  • »squeaker.net’s eigener, authentischer Stil, hohe Qualität des Netzwerkes und die Infos sind das Beste.«

    Was unsere Mitglieder über uns sagen
  • »Man sollte sich ein genaues Bild von jeder Firma machen bevor man sich bewirbt. Deshalb habe ich mich auf www.squeaker.net angemeldet.«

    Was unsere Mitglieder über uns sagen
  • »squeaker.net hat mir bei meinem Bewerbungsprozess sehr geholfen, das Insider-Wissen zu den Interviews und Unternehmen ist Gold wert!«

    Aly Zaazoua, Squeaker und angehender Praktikant bei Siemens Management Consulting
  • »Unabhängige Bewertungen und Erfahrungsberichte wie auf squeaker.net sind unbezahlbar.«

    Was unsere Mitglieder über uns sagen